zwischen Ethik und Hufrollenproblemen

"Aprilwetter im Oktober – und die moralische Zwickmühle eines Arbeitstages"

Er hatte sich auf die Sonne gefreut. Ein Montagmorgen, der nach einem Wochenende voller schöner, aber anstrengender Momente eigentlich mit einem Lichtblick beginnen sollte. Doch kaum war er bereit aufzubrechen, öffnete der Himmel seine Schleusen. Regen in Strömen, als hätte der Oktober beschlossen, sich als April zu verkleiden. Ironisch, dachte er, wie das Wetter manchmal die Launen des Lebens spiegelt – unberechenbar, dramatisch, und doch irgendwie faszinierend. Die Wolkenformationen waren immerhin ein optisches Highlight, das den Tag ein wenig auflockerte.

Die Arbeit selbst? Routine. Vormittags bis zum frühen Nachmittag beschäftigte er sich mit Vollbeschlägen – vier Hufeisen pro Pferd, nichts Außergewöhnliches. Danach folgte, wie er es selbst leicht spöttisch nannte, „Kleinkram“ in der Umgebung. Es war einer dieser Tage, die sich nicht durch spektakuläre Ereignisse auszeichnen, sondern durch die kleinen Gedanken, die sich zwischen den Handgriffen einschleichen.

Auf dem Heimweg, müde und doch zufrieden, holte ihn ein Gespräch mit einem Stallbetreiber ein. Es war eines dieser Gespräche, die ihn unweigerlich in die Vergangenheit zurückwarfen. Ein Fall, der ihn damals mehr beschäftigt hatte, als ihm lieb war. Ein altes Pferd, das kaum noch laufen konnte, geschweige denn geritten werden sollte. Mit der Tierärztin hatte er einen speziellen Beschlag entwickelt, der dem Tier zumindest ein wenig Erleichterung verschaffen sollte. Es war ein mühsamer Prozess, ein ständiges Austarieren zwischen Hoffnung und Realität. Geradeaus ging es irgendwann ganz passabel, aber die Wendungen blieben eine Qual.

Die Besitzerin war begeistert, zu begeistert vielleicht. Trotz seiner wiederholten Mahnungen, dass das Pferd kein Reitpferd mehr sei, hatte sie es heimlich wieder geritten. Und da stand er, inmitten eines moralischen Dilemmas: Sollte er das Tier weiter behandeln und damit indirekt ermöglichen, dass es geritten wurde, obwohl es ihm schadete? Oder sollte er sich weigern und riskieren, dass das Pferd wieder schlechter lief? Es war eine dieser Situationen, die ihn an die Grenzen seiner Berufsethik brachten.

Er dachte daran zurück, wie oft solche Entscheidungen ihn schon begleitet hatten. Es war ein ständiges Abwägen zwischen dem Wohl der Tiere und den Wünschen der Menschen. Und doch, trotz aller Zwickmühlen, gab er immer sein Bestes. Heute war keine Ausnahme.

Jetzt, auf dem Weg nach Hause, war es Zeit, den Tag hinter sich zu lassen. Der Regen hatte aufgehört, die Wolken verzogen sich langsam, und er freute sich auf einen wohlverdienten Feierabend. Ein Montag, der sich wie ein kleiner April anfühlte – voller Kontraste, voller Gedanken, und am Ende doch irgendwie rund.

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