
mehr wissen !
Für Dich und Dein Pferd
Hufrehe

Ein chronischer Rehehuf..... lasse es nicht soweit kommen!
Ich hatte in den letzten 30 Jahren viele Male das zweifelhafte Vergnügen, Pferdebesitzern, deren Pferd einen Reheschub hatte, zu erklären, was dies für sie und ihr Pferd bedeutet und was es nun zu tun und zu lassen gilt, und ihre entsprechenden Fragen zu beantworten. Deshalb habe ich mich entschlossen, diese „Erstgespräche" hier gewissermaßen als Extrakt wiederzugeben.
Damit ist dieses Thema nicht erschöpfend behandelt, aber Du bekommst erst einmal alle am Anfang nötigen Informationen, Hinweise und Tipps.
Auch wenn Du noch nie Probleme mit Hufrehe hattest und auch keine erwartest, ist es vermutlich sinnvoll, diesen Text zu lesen. Die meisten Menschen, mit denen ich solche Gespräche in letzter Zeit und auch in der Vergangenheit führen musste, sind „aus allen Wolken gefallen", als die Diagnose kam.
Wenn Du über das Thema Bescheid weißt, fällt es Dir leichter, Anzeichen frühzeitig zu erkennen und durch schnelles Eingreifen Schlimmeres zu verhindern.
Eine persönliche Vorbemerkung: Diese Seite existiert seit 2016. Ich habe sie damals nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben – und das Wissen über Hufrehe hat sich seitdem in einigen Punkten erheblich weiterentwickelt. Ich hätte die veralteten Passagen einfach löschen und durch neue ersetzen können. Aber ich habe mich dagegen entschieden.
Stattdessen habe ich die ursprünglichen Texte erhalten und mit Kommentaren ergänzt. Warum? Weil ich glaube, daß die Entwicklung des Wissens selbst lehrreich ist. Weil viele Pferdebesitzer – und manche Praktiker – noch heute mit dem Kenntnisstand von vor zehn Jahren arbeiten. Und weil ich hoffe, daß meine eigene „Wissenswanderung" der Glaubwürdigkeit dieses Textes eher nützt als schadet.
Du findest im Text also zwei Arten von Einschüben:
[STAND 2016] kennzeichnet Passagen aus dem Originaltext, die heute als überholt gelten oder korrigiert werden müssen.
[UPDATE 2025] enthält die entsprechende Korrektur oder Ergänzung.
[ERGÄNZUNG 2025] kennzeichnet Themen, die im Originaltext zu kurz gekommen sind, weil wir damals ihre Bedeutung noch nicht vollständig erkannt hatten.
Die orange unterlegten Texte solltest Du auf jeden Fall lesen, die grün unterlegten bieten zusätzliche Informationen. Am Ende findet sich eine rot unterlegte Checkliste.
Ach ja, es stört Dich hoffentlich nicht, wenn Du ab jetzt gesiezt wirst! ;-))
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Quellenverzeichnis – Hufrehe
Stand: 2026
Zusammengestellt als Begleitdokument zum überarbeiteten Seitentext.
Die Quellen sind nach Themenblöcken gegliedert, die den Abschnitten im Text entsprechen. Innerhalb der Blöcke ist zwischen historischen Quellen (die die damalige Lehrmeinung belegen) und aktuellen Quellen (die den heutigen Wissensstand abbilden) unterschieden. Diese Trennung macht für den Leser direkt sichtbar, wie sich das Wissen entwickelt hat.
1. Pathophysiologie: Hufbeinträger, Rotation, Senkung
Dieser Abschnitt ist zeitlos – die beschriebene Anatomie und Mechanik des Hufbeinträgers gilt unverändert.
Grundlagenwerk (historisch und weiterhin gültig):
- Pollitt, C.C. (1995): Anatomy and physiology of the inner hoof wall. Clinical Techniques in Equine Practice, 14 (3), 196–210.
(Grundlegende Beschreibung der Blättchenstruktur und des Hufbeinträgers.) - Pollitt, C.C. (1996): Basement membrane pathology: a feature of acute equine laminitis. Equine Veterinary Journal, 28(1), 38–46.
(Frühe Arbeit zur Zerstörung des Hufbeinträgers beim Reheschub.)
2. Kühltherapie (Kryotherapie)
Die Empfehlung zur Kühlung im Originaltext geht auf Pollitts Versuche zurück. Die wissenschaftliche Basis ist heute deutlich breiter.
Ursprungsstudie (historisch):
- Pollitt, C.C. & van Eps, A.W. (2004): Prolonged, continuous distal limb cryotherapy in the horse. Equine Veterinary Journal, 36(3), 216–220.
(Nachweis der Verträglichkeit und Wirksamkeit der Dauerkühlung des equinen Distallimbus – die Grundlage für die Kühlempfehlung im Text.)
Bestätigung und Ausweitung (aktuell):
- van Eps, A.W. & Pollitt, C.C. (2004): Equine laminitis: cryotherapy reduces the severity of the acute lesion. Equine Veterinary Journal, 36(3), 255–260.
(Zeigt, daß Kryotherapie die Schwere der akuten Hufreheveränderungen messbar reduziert.) - van Eps, A.W. & Pollitt, C.C. (2009): Equine laminitis model: cryotherapy reduces the severity of lesions evaluated seven days after induction with oligofructose. Equine Veterinary Journal, 41(8), 741–746.
(Erweiterung des Nachweises im Oligofruktose-Induktionsmodell.) - van Eps, A.W. et al. (2014): Continuous digital hypothermia initiated after the onset of lameness prevents lamellar failure in the oligofructose laminitis model. Equine Veterinary Journal, 46(5), 625–630.
(Wichtig: Kühlung wirkt auch noch nach Einsetzen der Lahmheit – die therapeutische Wirkung geht über die reine Prophylaxe hinaus.) - Rezension: Continuous digital hypothermia for prevention and treatment of equine acute laminitis: A practical review. The Veterinary Journal / ScienceDirect, 2023.
(Aktuelle Übersichtsarbeit; bezeichnet Kryotherapie als eine der wenigen Therapien mit durch mehrere Studien belegten positiven Effekten.)
URL: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1090023323000679
3. Die Fruktanhypothese – historische Quellen
Dies sind die Quellen, die die ursprüngliche Lehrmeinung begründet haben. Sie stehen für den „Stand 2016" im Text.
Ausgangspunkt der Hypothese:
- Hinckley, K.A. (1997): A fructan link between grass and laminitis. (Erstmals vorgeschlagen an der University of Sheffield; zitiert nach Pollitt 2002 und in Sekundärquellen.)
(Erste Formulierung der Fruktanhypothese auf Basis epidemiologischer Beobachtungen.) - Longland, A.C. & Cairns, A.J. (2000): Fructans and their implications in the etiology of laminitis. Proceedings of the Bluegrass Laminitis Symposium.
(Fructankonzentrationen in verschiedenen Graszusammensetzungen und saisonale Schwankungen.)
Experimentelle „Bestätigung" (damals als Beweis gewertet):
- Pollitt, C.C., Kyaw-Tanner, M., French, K.R., van Eps, A.W., Hendrikz, J.K. & Daradka, M. (2003): Equine laminitis. AAEP Proceedings, 49, 103–135.
(Erstbericht der Oligofruktose-Induktion von Rehe beim Pferd – die Studie, die die Fruktanhypothese klinisch zu belegen schien.) - van Eps, A.W. & Pollitt, C.C. (2006): Equine laminitis induced with oligofructose. Equine Veterinary Journal, 38(3), 203–208.
(Das Oligofruktose-Induktionsmodell in seiner ausgearbeiteten Form; galt lange als Hauptbeleg für den Blinddarm-Fermentationsweg.) - Milinovich, G.J. et al. (2006): Changes in equine hindgut bacterial populations during oligofructose-induced laminitis. Environmental Microbiology, 8(5), 885–898.
(Nachweis des Blinddarm-pH-Abfalls und der Verschiebung der Bakterienpopulationen beim OF-Modell.)
4. Revision der Fruktanhypothese – aktuelle Quellen
Diese Quellen zeigen, warum die Fruktanhypothese als alleinige Erklärung der Weiderehe heute nicht mehr haltbar ist.
Kritik am Oligofruktose-Modell:
- Katz, L.M. & Bailey, S.R. (2012): A review of recent advances and current hypotheses on the pathogenesis of acute laminitis. Equine Veterinary Journal, 44(6), 752–761.
(Umfassende Revision der Hypothesen; diskutiert Grenzen des OF-Modells und die wachsende Bedeutung der Insulindysregulation.) - Übersichtsartikel: Do fructans cause laminitis? The Laminitis Site.
URL: https://www.thelaminitissite.org/do-fructans-cause-laminitis.html
(Sachliche Zusammenfassung der Forschungslage für interessierte Laien; gut nachvollziehbar, mit Quellenangaben.) - The best management of laminitis. DHG e.V. / dhgev.de
URL: https://www.dhgev.de/en/hoof-articles/laminitis/laminitis-articles/the-best-management-of-laminitis
(Diskutiert die strukturellen Unterschiede zwischen experimentell eingesetztem Oligofruktose und dem in Gräsern vorkommenden Levan-Fructan; ein zentrales Argument gegen die direkte Übertragbarkeit des OF-Modells auf Weiderehe.)
Paradigmenwechsel:
- de Laat, M.A. et al. (2010): Paradigm shifts in understanding equine laminitis. The Veterinary Journal / ScienceDirect.
URL: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1090023317302290
(Beschreibt den wissenschaftlichen Umschwung von septischer/gastrointestinaler Rehe zur endokrinen Rehe als dominierendem Paradigma.)
5. Insulindysregulation und endokrine Hufrehe – aktuelle Quellen
Der wichtigste inhaltliche Erkenntnissprung gegenüber dem Originaltext von 2016.
Schlüsselstudie – Beweis des Kausalzusammenhangs Insulin → Rehe:
- Asplin, K.E., Sillence, M.N., Pollitt, C.C. & McGowan, C.M. (2007): Induction of laminitis by prolonged hyperinsulinaemia in clinically normal ponies. The Veterinary Journal, 174(3), 530–535.
DOI: 10.1016/j.tvjl.2007.07.003
(Die Schlüsselstudie: Erstmals wurde Hufrehe allein durch Insulininfusion – ohne jede Diätmanipulation oder Darmbeeinflussung – ausgelöst. Paradigmatisch.) - de Laat, M.A., McGowan, C.M., Sillence, M.N. & Pollitt, C.C. (2010): Equine laminitis: Induced by 48 h hyperinsulinaemia in Standardbred horses. Equine Veterinary Journal, 42(2), 129–135.
DOI: 10.2746/042516409X475779
(Replikation des Asplin-Modells beim Warmblut.)
Klinische Bedeutung und Prävalenz:
- Treiber, K.H., Kronfeld, D.S. & Geor, R.J. (2006): Insulin resistance in equids: possible role in laminitis. Journal of Nutrition, 136(7), 2094S–2098S.
(Frühe epidemiologische Evidenz: Insulinresistenz als Risikofaktor für Weiderehe.) - Karikoski, N.P. et al. (2015): Pathology of natural cases of equine endocrinopathic laminitis associated with hyperinsulinemia. Veterinary Pathology, 52(6), 945–956.
(Beschreibt die histopathologischen Besonderheiten der insulinassoziierten Rehe im Vergleich zur septischen Rehe – ein wichtiger Unterschied für Prognose und Therapie.) - Menzies-Gow, N.J., Harris, P.A. & Elliott, J. (2017): Prospective cohort study evaluating risk factors for the development of pasture-associated laminitis in the United Kingdom. Equine Veterinary Journal, 49(3), 300–306.
(Epidemiologische Studie: Hyperinsulinämie und Hypoadiponektinämie als stärkste Risikofaktoren für Weiderehe – nicht Fruktan.)
Konsens-Empfehlungen (aktuell):
- Equine Endocrinology Group (EEG) (2024): Recommendations for the Diagnosis and Treatment of Equine Metabolic Syndrome (EMS).
URL: https://idppid.com/sites/default/files/clinical-research/2024%20EEG%20EMS%20recommendations.pdf
(Aktuelle Konsensusleitlinie der führenden internationalen Expertengruppe; bezeichnet HAL – Hyperinsulinemia-Associated Laminitis – ausdrücklich als häufigste Form der Hufrehe.) - Merck Veterinary Manual: Equine Metabolic Syndrome.
URL: https://www.merckvetmanual.com/metabolic-disorders/equine-metabolic-syndrome/equine-metabolic-syndrome
(Frei zugängliche, gut lesbare Zusammenfassung des aktuellen Wissensstandes; regelmäßig aktualisiert.) - Ireland, J.L. & McGowan, C.M. (2021): Approaches to endocrinopathic laminitis in the field: Epidemiology, clinical signs, diagnosis. Veterinary Clinics: Equine Practice, 37(3), 573–594.
(Aktuelle klinische Übersicht; auch für den praktischen Tierarzt lesenswert.)
Häufigkeit:
- Übersichtsarbeit (zitiert nach NIH/PubMed): Endocrinopathic laminitis is the most common form of laminitis, accounting for up to 90% of cases in some studies. (Karikoski et al., zitiert in mehreren Reviews.)
URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC11736997/
6. PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction / Cushing) und saisonaler ACTH-Anstieg
Aktuelle Konsensusleitlinie:
- Equine Endocrinology Group (EEG) (2021): Recommendations for the Diagnosis and Treatment of Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID).
URL: https://idppid.com/sites/default/files/2021%20EEG%20PPID%20Recommendations%20(1).pdf
(Mit saisonalen Referenzwerten für ACTH nach Analysegerät – unverzichtbar für die korrekte Interpretation von Herbst-Testergebnissen.) - BEVA Primary Care Clinical Guidelines: Diagnosis and management of equine pituitary pars intermedia dysfunction. Equine Veterinary Journal, 2023.
DOI: 10.1111/evj.14009
(Aktuelle BEVA-Leitlinie; betont die Verbindung zwischen PPID, Insulindysregulation und Rehrisiko.)
7. Venographie des Hufes
Methodische Grundlage:
- Redden, R.F. (2001): Possible therapeutic value of digital venography in two laminitic horses. Equine Veterinary Education, 13(3), 125–127.
(Früher Bericht über die klinische Nutzung der Venographie.) - D'Arpe, L. & Bernardini, D. (2010): Digital Venography in Horses and Its Clinical Application in Europe. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 26(2), 339–359.
URL: https://www.vetequine.theclinics.com/article/S0749-0739(10)00051-9/abstract
(Wichtig: Bericht über die Anwendung in Europa – die Methode war 2008 in Deutschland praktisch unbekannt, wurde jedoch in der europäischen Reheklinik schon erprobt, u.a. am Berliner Symposium 2008.)
Im deutschsprachigen Raum verfügbar (Beispiel):
- Universität Zürich, Pferdeklinik: Hufrehe (Laminitis) – Diagnostik und Therapie.
URL: https://www.tierspital.uzh.ch/de/Pferde/pferdechirurgie/Dienstleistungen/1-Hufrehe.html
(Die UZH-Pferdeklinik nennt die digitale Venographie ausdrücklich als verfügbares Verfahren für Spezialfälle – Beleg für die Verbreitung im DACH-Raum.)
8. Hufrehe-Leitfaden Deutschland
- Bundestierärztekammer (BTK) / Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) (2017): Leitfaden zur Sorgfalt bei der Diagnostik und Therapie der Hufrehe des Pferdes.
URL: https://www.bundestieraerztekammer.de/tieraerzte/leitlinien/downloads/171011_GPM-Hufrehe-Leitfaden-web.pdf
(Aktuellste deutschsprachige offizielle Leitlinie; bestätigt, daß eine einheitliche Therapieempfehlung nach wie vor fehlt – wie im Originaltext beschrieben.)
9. Zum historischen Hintergrund: Adams, Lahmheit bei Pferden
- Adams, O.R. (1962): Lameness in Horses. Lea & Febiger, Philadelphia.
(Im Text erwähnt als Quelle der historischen Empfehlung zu kaltem Wasser; klassisches Referenzwerk der älteren Pferdemedizin.)




