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Für Dich und Dein Pferd

Hufrehe

Ich hatte in den letzten 25 Jahren viele Male das zweifelhafte Vergnügen Pferdebesitzern, deren Pferd einen Reheschub hatten zu erklären, was dies für sie und Ihr Pferd bedeutet und was es nun zu tun und zu lassen gilt und ihre entsprechenden Fragen zu beantworten. Deshalb habe ich mich entschlossen diese "Erstgespräche" hier einmal gewissermaßen als Extrakt wiederzugeben.

Damit ist dieses Thema nicht erschöpfend behandelt, aber Du bekommst erst einmal alle am Anfang nötigen Informationen, Hinweise und Tipps.

Auch wenn Du noch nie Probleme mit Hufrehe hattest und auch keine erwartest, ist es vermutlich sinnvoll, diesen Text zu lesen. Die meisten Menschen, mit denen ich solche Gespräche in letzter Zeit und auch in der Vergangenheit führen musste sind „aus allen Wolken gefallen“, als die Diagnose kam.

Wenn Du über das Thema Bescheid weißt, fällt es Dir leichter Anzeichen frühzeitig zu erkenne und durch schnelles Eingreifen schlimmeres zu verhindern.

Es folgen nun Auszüge aus einem Text, den ich für eine Hufrehe-Broschüre verfasst habe. Leider hatte ich bislang noch nicht die Zeit, diese fertig zu stellen...


Die orange unterlegten Texte solltest Du auf jeden Fall lesen, die grün unterlegten bieten zusätzliche Informationen.

Am Ende findet sich eine rot unterlegte Checkliste.


Ach ja, es stört Dich hoffentlich nicht, wenn Du ab jetzt gesiezt wirst! ;-)

Einführung

 

Die Hufrehe ist eine der am meisten diskutierten und am schwierigsten zu verstehenden Erkrankungen des Pferdehufes.Da geht es schon los: Erkrankung des Pferdehufes trifft es schon nicht.

Es ist eine Erkrankung des Pferdes, die sich auf die Hufe auswirkt und diese unter Umständen irreparabel schädigen kann.

Also letztlich doch eine Erkrankung des Hufes? Ja, aber die Ursachen liegen woanders im Organismus und die Hufe sind letztlich die Leidtragenden. 

Vergleichen könnte man dies mit den „Nebenwirkungen“ des menschlichen Diabetes. Man kann durch eine lang andauernde „Zuckerkrankheit“ beispielsweise erblinden oder durch Durchblutungsstörungen etwa einen Fuß oder ein Bein verlieren. Dennoch würde keiner Diabetes etwa als Augenerkrankung bezeichnen... 

Dies ist natürlich nur ein wie üblich hinkender Vergleich. Diese „Kollateralschäden“ der Diabetes entstehen meines Wissens im Laufe der Zeit, nach und nach... 

Die Hufrehe erscheint meist als hochakute Erkrankung, bei der das betroffene Pferd recht plötzlich lahm geht oder manchmal zum Laufen praktisch garnicht mehr bereit bzw in der Lage ist. 

Das Augenmerk des beobachtenden Menschen wird also erst einmal auf die hochgradig schmerzhaft erkrankten Hufe gelenkt.

Also wollen auch wir uns erst einmal auf das konzentrieren, was eigentlich bei der Hufrehe mit und vor allem in den Hufen passiert. Auch wenn die Hufe, wie ich nicht oft genug betonen kann nur die Symptome einer viel grundlegenderen, aber leider auch viel komplizierteren Grunderkrankung zeigen [...] 

Wenn Du Dich sehr gut mit der Anatomie des Pferdehufes auskennen, solltest Du eigentlich das folgende Kapitel überschlagen können (aber man kann nie wissen... ).

Denn wenn ich die Vorgänge und Veränderungen in einem durch Hufrehe erkrankten Huf zeigen will, so sollte ich Dir erst einmal ein Bild von einem gesunden Pferdehuf vermitteln... 

 

Der Aufbau des Pferdhufes

 

 Während sie dies lesen, sollten sie unbedingt den Querschnitt eines Hufes vor Augen haben.

Dies ist buchstäblich gemeint. Verfolgen sie meine Beschreibung unbedingt, indem sie sich auf der entsprechenden Abb immer wieder genau anschauen, was ich zu beschreiben versuche. 

Vielleicht ist es ganz hilfreich sich zuallererst einmal kurz Gedanken darüber zu machen, welche Funktion die Hufe eines Pferdes eigentlich haben. Komische Frage meinen Sie?

Als erstes gilt es, das Gewicht des Pferdes zu tragen. Genauer: zu übertragen. Die Masse eines jeden Körpers auf unserer Erde ist bestrebt der Schwerkraft zu folgen und strebt Richtung Erdmittelpunkt, also senkrecht nach unten. Wenn Sie beispielweise einen Stein in der Hand halten und loslassen wird er auf dem kürzesten Wege, also senkrecht nach unten, auf den Boden fallen.

So weit, so banal. Wenn sie nicht wollen, das er das tut, müssen Sie unter dem Stein etwas installieren, was in der Lage ist sein Gewicht zu tragen. Z.b eine Säule, auf dem er ruhen kann, oder etwas ähnliches. Im Falle des Pferdes sind es seine Beine, noch genauer die Knochen in den Beinen. Am unteren Ende muß nun das Gewicht auf den Boden übertragen werden. Dazu sind die Knochen aus medizinischen Gründen nicht geeignet. Also hat die Natur am Ende des untersten Knochens eine Struktur geschaffen, die in der Lage ist, die Gewichtskraft auszuhalten, ohne selber Schaden zu nehmen. 

Die erste Funktion des Hufes ist es also die Kraft, die die Masse des Pferdes zusammen mit der Schwerkraft erzeugt zu Boden zu bringen.

 Nun ist das Pferd aber aus Gründen, die ich wohl nicht näher erläutern muß, darauf angewiesen nicht nur herumzustehen, sondern sich in seinem Lebensraum fort zu bewegen. Die Hufe müssen also auch die Kräfte die nötig sind die Masse des Pferdes zu beschleunigen und abzubremsen auf den Boden bringen.

Diese Kräfte sind viel größer als die, die beim Herumstehen auftreten und wirken auch nicht nur senkrecht nach unten. Sie wirken auch nicht gleichmäßig. Wenn ein Pferd sich fortbewegt muß es den Huf, der sich gerade in der Luft befindet irgendwann aufsetzen. Er fußt auf und erfährt dabei eine starke Erschütterung. Er wird dann zunehmend mit Gewicht belastet, je mehr der Körper sich senkrecht über ihn bewegt. Zuerst im hinteren Teil des Hufes, wenn das meiste Gewicht sich noch hinter ihm befindet. Dann wandert die Stelle der größten Belastung nach vorne, je mehr die Last über ihm sich nach vorne bewegt. Bis schließlich das Bein sozusagen zu kurz wird und das Pferd den Huf aktiv zum Abfußen bringt.

Bei alledem muß er auch noch die Muskelkraft die das Pferd zur Fortbewegung aufwendet und die über die Hebel des Bewegungsapparates in Beschleunigungskraft verwandelt wird dynamisch auf den Boden übertragen.

Alles in allem muß ein Huf bei einem Galoppsprung schon einmal das 2,5 fache des Körpergewichtes aushalten. 

Der Huf muß also das Körpergewicht tragen, Beschleunigungs- und Bremskräfte übertragen und außerdem die Gelenke des Beines vor dem Aufprall, der Erschütterung des Auffußens schützen.

Zu all dem kommt, daß gerade bei der Erfüllung der dynamischen Aufgaben ein gewisser Verschleiß nicht zu vermeiden ist, wie Autobesitzer es von den Reifen ihres Gefährtes kennen. 

Nach dieser kleinen Abschweifung ahnen Sie vielleicht schon, daß es sich nicht einfach um einen Hornklumpen am Ende des Beines handeln kann... 

Ich sagte eben, daß die Natur zwischen dem untersten Knochen des Beines und dem Boden eine Struktur geschaffen hat, die in der Lage ist, alle oben genannten Funktionen zu erfüllen. 

Das ist nicht ganz richtig. Sie hat die Struktur um diesen Knochen herum geschaffen. Denn dieser Knochen ist das Hufbein und steckt in dem für uns sichtbaren Huf. Was wir vom Huf sehen ist nur die Kapsel aus Horn, die sich um das Hufbein herum gebildet hat. Das sich in dieser Kapsel noch mehr befindet, werden wir später noch sehen. 

Wohl eines der größten Probleme, das der geniale Ingenieur „Natur“ bei der Entwicklung des Hufes als den Überträger von Kraft zu lösen hatte, ist das des Druckes. Betrachtet man das Verhältniss des Pferdegewichtes im Verhältnis zur Größe der Hufe, findet man das diese einem sehr hohen Druck ausgesetzt sind. Einem hohen Gewicht auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche. Druck ist ja nun einmal Kraft pro Fläche. Außerdem ist es wie oben erwähnt nötig, daß der Huf in dem Maße nachwachsen kann, in dem er verschleißt. Hornbildendes Gewebe muß gut durchblutet sein, da es einen relativ hohen Stoffwechsel haben und gut mit Nährstoffen versorgt werden muß um genügend Horn produzieren zu können. 

Würde dieses Gewebe sich zwischen dem Knochen und dem Horn befinden, wäre es ständig großem Druck ausgesetzt und entsprechende schwer zu durchbluten, da die Gefäße zusammengedrückt würden. Hier hat die Natur nun einen erstaunlichen Kniff angewendet: Das Gewebe, das die Hufwand bildet ist um die tragende Knochensäule herum angeordnet, ist also dem Druck entzogen. An dem Übergang von der behaarten Haut des Beines zum Huf befindet sich der sogenannte Kronwulst, die eigentlich hornbildende Struktur, deren genauen Aufbau wir später betrachten wollen. Von hier wächst die etwa 1,5 cm dicke Hufwand bei einem durchschnittlichen Pferd etwa 8 bis 9 cm nach unten und bildet die hinten offene Hornkapsel, die wir sehen, wenn wir den Pferdehuf anschauen. Diese Kapsel ist so stabil, daß sie das Gewicht des Pferdes mühelos tragen und auf dem Boden stehend auf den selben übertragen kann. 

Das Hufbein, daß ja das letzte Glied in der gewichtstragenden Knochensäule des Beines ist, ist nun durch eine lebendige, also durchblutete Struktur, der Wandlederhaut an der Innenseite der Hornkapsel befestigt. Die Wandlederhaut bildet zahlreiche Falten, die Lederhautblättchen genannt werden. Diese Falten, oder Blättchen, bilden wiederum Falten, so daß die Lederhaut eine enorm große Oberfläche hat. Das Horn der Wand bildet Falten oder Blättchen, die genau in die Lederhautblättchen passen. Es besteht also eine innige Verbindung zwischen dem Wandhorn und der Wandlederhaut, die wiederum mit dem Hufbein fest verwachsen ist. Diese Konstruktion, die die Hornwand und das Hufbein fest miteinander verbindet, nennt man „Hufbeinträger“. 

Das Gewicht des Pferdes, daß als Druck durch die Knochen nach unten geleitet wird, überträgt sich also als Zugkraft auf die Hornwand, die es ihrerseits wieder als Druck an den Boden weiter gibt. Dieser geniale Trick, an der sensiblen Stelle an der die Kraft durch gut durchblutetes Gewebe auf das Horn übertragen wird, den Druck in Zug umzuwandeln sorgt dafür, daß die Blutgefäße der Lederhaut nicht zusammengedrückt werden. Im Gegenteil: unter Belastung füllen sie sich nur um so besser mit Blut. 

Der Kronrand, häufig auch Kronwulst genannt ist so dick, wie nachher die Hornwand ist. Die Kronlederhaut bildet ein bis zwei Milimeterlange Zotten, also langgezogene kegelförmige Ausstülpungen. Das Horn, das an den Wänden dieser Zotten gebildet wird bildet Röhren, die vom Kronrand aus nach unten wachsen und aus widerstandsfähigem Horn bestehen. Sie sind mir weicherem Markhorn gefüllt und werden von Zwischenröhrchenhorn mit den anderen Hornröhrchen verbunden. 

Stellen sie sich der Einfachheit halber vor, Sie würden ein Bündel Strohhalme mit einem guten Alleskleber zusammenkleben. Sie erhalten ein recht elastisches, leichtes und vor allem in Längsrichtung der Röhrchen äußerst stabiles Konstrukt.

 

Sohle 

Die Unterseite des Hufbeines ist mit einer Lederhaut versehen, die der des Kronrandes ähnelt, derSohlenlederhaut. Sie bildet ebenfalls ein Röhrchenhorn, daß die Unterseite des Hufbeines mit einer mehr oder weniger dicken Hornschicht schützt, die man Hufsohle nennt. Sie ist bei einem gesunden, normal großen Huf etwa 1 bis 1,5 cm dick. Sie hat eine mehr oder weniger starke Wölbung, die Ihr eine große Stabilität verleiht. Ein Teil der Sohle, der ungefähr so breit ist, wie der Tragerand liegt natürlicherweise auf dem gleichen Niveau wie der Tragerand und erfüllt also ebenfalls tragende Funktion. Wenn man von unten auf einen aufgehobenen Huf schaut, bemerkt man einen in der Regel hellen und quasi quergestreiften Streifen Horn, der das Wandhorn mit dem Sohlenhorn verbindet. Die „Zona Alba“ oder „Weiße Linie“. Hier treten die weiter oben beschriebenen Blättchen des Wandhornes zutage.

 

Strahl 

Das Gebilde aus weichem Horn, das vom hinteren Ende des Hufes auf seiner Bodenfläche nach vorne spitz zu laufend, sich über ungefähr 2/3 der Huflänge erstreckt nennt man Hufstrahl. Es wird von der Strahllederhaut gebildet, die das Strahlpolster bekleidet. Dieses ist eine Masse aus Bindegewebe, die die Form des Strahles vorgibt.

Auch der Strahl hat natürlicherweise Bodenkontakt und ist geeignet einen Teil der Gewichtsbelastung aufzunehmen.

 

Was passiert bei einer Hufrehe?

 

Sehen wir uns doch einmal genauer an, was bei einer Hufrehe im Huf so vor sich geht.

Unabhängig von der jeweiligen Ursache der Rehe – auf die ich im nächsten Kapitel eingehen werde – sind die Prozesse im Huf immer im Wesentlichen die gleichen. Am Ende der langen Kette von Ursache und Wirkung stehen immer die gleichen Stoffe, die immer die gleichen zellulären Auswirkungen haben. ( Welche (Boten-)Stoffe dies tatsächlich sind spielt für uns hier keine Rolle ). 

Bei einem gesunden Huf sind die Zellen der Wandlederhaut mit den verhornten Zellen der Hornblättchen der Hornkapsel fest verbunden und bilden den schon beschriebenen leistungsfähigen und mit hohem Zug belastbaren Hufbeinträger. 

Bei einem akuten Rehegeschehen, einem Reheschub, lösen sich diese Verbindungen mehr oder weniger und der Hufbeinträger kann seine Funktion nicht mehr erfüllen. Dies beschränkt sich jedoch weitestgehend auf den Bereich der Zehenwand. Die Seiten- und Trachtenwände sind in der Regel nicht betroffen. Da auf sie jedoch nun eine viel größere Belastung wirkt als gewöhnlich kann es passieren, daß sie dieser nicht gewachsen sind und das Hufbein nicht mehr in seiner natürlichen Lage halten können. Es kann nun in der Hornkapsel seine Lage nach unten verlagern, so daß die Sohlenlederhaut gequetscht wird.

Dies nennt man eine Hufbeinsenkung. 

Doch auch wenn die Seiten- und Trachtenwand-Anteile des Hufbeinträgers der Belastung standhalten kann es zu einer Lageveränderung des Hufbeines in der Hornkapsel kommen: 

Jedesmal wenn das Pferd einen Schritt tut, spannt es am Ende des Schrittverlaufes die tiefe Beugesehne an, um den Huf zum Abkippen („Abrollen“) zu bringen, damit das Bein nach vorne geführt und der nächste Schritt begonnen werden kann.

Die tiefe Beugesehne setzt unter dem Hufbein an und zieht so die Hufbeinspitze nach hinten. Und zwar so stark, daß die Kraft groß genug ist um den Huf gegen die noch einfallende Körperlast über den Hebel, den die Zehe des Hufes bildet nach vorne Kippen zu lassen. Diese Kraft muß also um so größer sein, je weiter der Abrollpunkt der Zehe von der Drehachse des Hufgelenkes entfernt ist, den diese Entfernung ist die Länge des wirksamen Hebels. 

Dabei wird die Kraft die die tiefe Beugesehne auf das Hufbein ausübt vom Hufbeinträger auf die Hornkapsel übertragen. Und zwar insbesondere von dem Anteil des Hufbeinträgers, der mit der Zehenwand verbunden ist; welches ja aber auch der Bereich ist, der bei der Rehe besonders geschädigt ist. So kann es dazu kommen ( und kommt auch regelmäßig dazu ), daß dieser Teil des Hufbeinträgers (also die Lamellenschicht der Zehenwand ) mehr und mehr zerrissen wird, so daß das Hufbein um eine gedachte Achse zwischen den noch halbwegs intakten Seitenwänden rotiert, so daß sich die Hufbeinspitze zur Sohle hin senkt und wiederrum Duck auf die Sohlenlederhaut entsteht.

Dies nennt man infolgedessen Rotation des Hufbeines. 

Die Senkung und die Rotation des Hubeines können auch zusammen vorkommen. Je stärker die Lageveränderungen ausgeprägt sind, desto schlechter ist die Prognose für das betroffene Tier. 

 

Mögliche Ursachen einer Hufrehe

 

Die möglichen Ursachen einer Hufrehe sind zahlreich. 

Als klassische Ursachen können Fehler in der Fütterung gelten.

Dazu gehört vor allem die zu reichliche Zufuhr von Zucker in verschiedener Form, insbesondere in Form von leicht verdaulicher Einfachzucker. „Futterrehe“. 

Eine Sonderform davon ist die Aufnahme von großen Mengen an gehaltvollem Gras, die „Weiderehe“. Im Moment geht man davon aus, daß vor allem der Gehalt von Fruktan dabei eine entscheidende Rolle spielt. Fruktan ist ein solcher Einfachzucker und seine Konzentration im Weidegras hängt neben der Grassorte von verschiedenen Umweltfaktoren ab. In „normalen“ Jahren ist die Konzentration im Mai besonders hoch, dicht gefolgt vom Oktober, weshalb häufig in diesen Monaten eine Häufung von Erkrankungen festzustellen ist. 

Als weitere wichtige Auslöser von Hufrehe gelten hormonelle Ursachen.

Hierbei sind vor allem das Equine Metabolische Syndrom (EMS) und das Cushing Syndrom zu nennen. 

Manche Medikamente können nachweislich eine Hufrehe auslösen. Dies sind in erster Linie verschiedene Arten von Cortison Präparaten. 

Bei Vergiftungen kann es durch eine allgemeine Entgleisung des Stoffwechsels zu einem Reheschub kommen. 

Verschiedentlich hört man, daß eine Infektion mit Borrillien ( Borrilliose ) Rehe auslösen, oder zumindest begünstigen kann. 

Mechanische Überbeanspruchungen der Hufe können ebenfalls eine Hufrehe auslösen.

Diese kann dann auch einzelne Hufe betreffen, wenn z.B. bei einer lang andauernden Lahmheit der Huf des gesunden Beines überlastet wird. ( „Belastungsrehe“).

Früher trat zuweilen bei Kutschpferden eine Hufrehe nach langer Beanspruchung auf harten Wegen auf, die dann „Pflasterrehe“ genannt wurde. 

Bei Stuten, die gerade abgefohlt haben tritt gelegentlich eine Rehe auf, die „Geburtsrehe“ genannt wird. Dies ist meist bei Stuten der Fall, deren Nachgeburt nicht oder nicht vollständig abgeht. 

In älterer Literatur ( z.B. ADAMS, Lahmheit bei Pferden 1962 ) wird erwähnt, daß Hufrehe durch die Aufnahme von großen Mengen kalten Wassers ausgelöst werden kann, vermutlich über eine massive Störung der Verdauung. Ich selbst habe einmal erlebt, daß ein Pferd mitten im Winter eine schwere Hufrehe erlitt, ohne daß irgendwelche auslösenden Faktoren ersichtlich waren. Es war aber beobachtet worden, daß es zuvor große Mengen Schnee gefressen hatte... 

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, daß auch wenn den oben genannten „Formen“ der Hufrehe eigene Namen gegeben wurden, die ihre jeweiligen Auslöser bezeichnen, es sich doch letztlich um die selbe Erkrankung handelt. Am Huf spielen sich immer die gleichen Prozesse und Veränderungen ab. Eine Rehe ist eine Rehe ist eine Rehe.... 

Die häufigsten und damit wichtigsten Ursachen und Auslöser der Rehe wollen wir uns im folgenden noch einmal genauer ansehen.

 

Die „Futter-“ und „Weiderehe“

 

Der Verdauungsapparat des Pferdes ist in der Lage, der Nahrung nicht nur die leicht verdaulichen Nährstoffe wie Zucker und Stärke zu entziehen, sondern auch aus Strukturstoffen wie insbesondere der Cellulose, die sich mit körpereigenen Mitteln eigentlich nicht aufschließen und verwerten lässt. Diese Stoffe sind in großen Mengen beispielsweise in Gräsern enthalten.

Dazu befindet sich im Anschluß an den Dünndarm, in dem z.B. die leichter verdaulichen Zucker aufgenommen werden unter anderem der Blinddarm. Hier handelt es sich nicht um einen kümmerlichen Wurmfortsatz von etwa Fingerhutgröße, wie das, was wir beim Menschen als Blinddarm bezeichnen, sondern um eine bis zu 10 l fassende Gärkammer, in dem der Nahrungsbrei durch Bakterien vergoren und so dem Körper zugänglich gemacht werden, die für ihn sonst nicht verwertbar wären. Die „Arbeit“ erledigen also bestimmte Arten von Bakterien, die dort heimisch sind, die Cellulose zersetzen und in stärkeähnliche Bestandteile zerlegen, die der Körper verwerten kann.

Geraten nun aber so große Mengen an leicht verdaulichen Kohlehydraten in den Verdauungstrakt des Pferdes, daß sie vom Dünndarm nicht mehr aufgenommen werden können, gelangen diese Zucker in die Gärkammer des Blinddarmes. Die dort heimischen Cellulose zersetzenden Bakterien können mit dieser Nahrung nichts anfangen. Wohl aber andere Bakterien, wie insbesondere Milchsäurebakterien, die sich nun massenhaft vermehren können. Bei dieser Fehlgärung wird nun viel Milchsäure produziert. Wird der Inhalt des Blinddarmes zu sauer, sterben die Cellulose Zersetzer ab und die Darmschleimhaut wird geschädigt. Aus den abgestorbenen Bakterien werden Stoffe frei, die normalerweise in ihnen eingeschlossen bleiben und die durch die geschädigte Darmschleimhaut ins Blut gelangen. Einige dieser Stoffe (Toxine) sind es, die im Huf die Vorgänge der Hufrehe in Gang setzen. So wird aus einer Verdauungsstörung eine Hufkrankheit. 

Nennenswerte Mengen an leicht verdaulichen Kohlehydraten enthalten beispielsweise Getreide , ( Hafer, Gerste, Mais...), Kraftfutter, Müsli, Melasse. Etwas weniger beispielsweise Möhren oder Äpfel, die aber auch Probleme machen können, wenn sie in sehr großen Mengen aufgenommen werden (Fallobst !). 

Alle kohlehydratreichen Futtermittel können die oben beschriebenen Probleme auslösen, wenn sie in entsprechenden Mengen konsumiert werden. Absolute Mengenangaben kann man aber nicht machen. Die vom jeweiligen Pferd vertragenen Mengen hängen zum Beispiel von der Rasse ab. Ponys sind empfindlicher als Warmblüter, Haflinger empfindlicher als andere Kaltblutrassen.

Pferde die viel arbeiten müssen und entsprechend große Rationen bekommen vertragen mehr als Tiere, die nicht viel Kraftfutter bekommen, weil sie nicht so viel leisten müssen. Überhaupt sollte man Vergrößerungen der Futterrationen langsam vornehmen, beispielsweise eine Woche lang jeden Tag ein wenig mehr. Dies kennen wir ja vor allem im Frühjahr beim anweiden, womit die Tiere an das frische Gras gewöhnt werden sollen. Aber auch beim Kraftfutter sollte man daran denken. 

Überhaupt die Weide: Das Weidegras enthält verschieden Kohlehydrate in unterschiedlichen Konzentrationen. Bekannt geworden ist vor allem das Fruktan. Man geht heute davon aus, daß viele Hufrehefälle auf sein Konto gehen.

Fruktan kann im Dünndarm des Pferdes nicht, oder nur sehr schlecht aufgenommen werden, kommt also auf jeden Fall im Blinddarm an. Deswegen reichen viel geringere Mengen um die Fehlgärung auszulösen, die das Rehegeschehen dann in Gang bringt. Der Fruktangehalt von Gras war in den letzten Jahren der Gegenstand vieler Untersuchungen und hängt offenbar von zahlreichen Faktoren ab. Als erstes natürlich einmal von der Grassorte. Die verschiedenen Gräser haben schon „von Haus aus“ einen unterschiedlichen Fruktangehalt.

Außerdem ist es aber vor allem jahreszeitlichen und klimatischen Schwankungen unterlegen. 

Beobachtungen habe ergeben, daß der Gehalt im Durchschnitt (!) im Mai am höchsten ist, dicht gefolgt von Oktober. In diesen Monaten kann man im Durchschnitt (!) tatsächlich eine Häufung der Hufrehefälle verzeichnen. Im Durchschnitt (!) betone ich hier deswegen, weil der tatsächliche Fruktangehalt des Grases durch die herrschenden Wetterbedingungen sehr stark schwanken kann. 

 

Woran können sie erkennen, daß ihr Pferd Hufrehe hat, oder zumindest haben könnte?

 

Bedenken sie, daß alle Symptome je nach Schwere des Reheschubes mehr oder weniger ausgeprägt sein können. 

Oft ist das Tier lethargisch, man merkt ihm an, daß es sich nicht wohlfühlt.

Je nach Schwere des Falles können auch der Herzschlag und die Atmung durch den Streß beschleunigt sein. 

Es bewegt sich nur widerwillig, lässt sich ziehen oder will überhaupt nicht mehr laufen.

Wenn es sich dann bewegt, kann es fühlig laufen, wie „auf rohen Eiern“.

Es macht womöglich deutlich kleinere Schritte. Viele Besitzer haben den Gang so beschrieben, „als wenn das Pferd Muskelkater hätte“. 

Meist setzt es den Huf nicht plan auf, sondern versucht vor allem die hintere Hufhälfte zu belasten. Es zeigt eine deutliche Trachtenfußung. 

Da die Beeinträchtigung meist beide Vorderhufe betrifft, geht das Tier nicht lahm. Wir nehmen die Lahmheit zumindest nicht als solche wahr, da sie meist beide Hufe gleichermaßen betrifft. Es humpelt also nicht sichtbar, sondern zeigt den oben beschriebenen „klammen Gang“. 

Manchmal ist aber auch ein Huf stärker betroffen; dann kann das Pferd eine deutliche Lahmheit zeigen, weil es versucht den stärker schmerzenden Huf stärker zu entlasten. Bei Tieren mit einem normalen oder flachen und einem steilen oder Bockhuf ist dies häufiger der Fall. In der Regel ist der steile Huf dann derjenige auf dem es lahm geht. 

Enge Wendungen machen meist Probleme. Es ist ein deutlicher Wendeschmerz zu sehen. Je enger die Wendung, desto unangenehmer und deutlicher. 

Die bisher beschriebenen Symptome sind in der Regel stärker auf hartem, als auf weichem Boden zu beobachten. 

Im Stand kann es sein, daß die Vorderfüße weit vorgeschoben werden und die Hinterbeine möglichst weit unter den Körper gestellt werden, damit die schmerzhaften Vorderhufe möglichst wenig Gewicht tragen müssen. Diese Stellung wird in der Literatur als „Sägebockstellung“ beschrieben. 

Es kann aber auch sein, dass das Pferd relativ normal steht und sich die Probleme erst in der Bewegung zeigen. 

Manche Pferd fangen an vor und zurück zu schaukeln und scheinen nicht zu wissen, wie sie Ihr Gewicht verteilen sollen. 

Bei einem akuten Schub werden sie äußerlich an den Hufen oder Beinen keine Veränderungen feststellen. 

Typischerweise fühlen die Hufe sich aber warm, sehr warm oder heiß an im Vergleich zu den Hinterhufen, sofern diese nicht auch betroffen sind. Dies ist aber nicht immer deutlich ausgeprägt. 

Ebenso typisch ist eine mehr oder weniger stark, bis pochend zu spürende Pulsation der Mittelfußarterie. 

Wenn sie nicht wissen, wie man diese korrekt tastet und die Pulsation fühlt, umfassen sie mit ihrer Hand fest von hinten den Fesselkopf. Eine pochende Pulsation werden sie in der Handfläche oder den Fingern spüren. 

Auch wenn sie keines der oben Beschriebenen Symptome beobachten, ihr Pferd, oder schlimmer noch ihr Pony aber aus der Box ausgebrochen und in die Futterkammer eingebrochen ist und es dabei erhebliche Mengen Futter erbeutet hat, sollten sie erwägen den Tierarzt zu rufen.Es droht nicht nur eine Kolik, sondern auch Hufrehe!

Ebenso, wenn es den Weidezaun überwunden und sich längere oder auch unbekannte Zeit an einem Getreidefeld ( vor allem Roggen ) gütlich getan hat.

 

Sie befürchten also, ihr Pferd hat Hufrehe, was ist nun zu tun?

 

Als erstes greifen sie zum Telephon und rufen sofort ihren Tierarzt an, teilen ihm ihre Beobachtungen mit und bitten ihn bald zu kommen. 

Rehe ist ein Notfall! 

Nicht gerade wie eine Kolik, die innerhalb wirklich kurzer Zeit zum Tod des Tieres führen kann oder wie ein schwerer Unfall mit starken Blutungen, aber doch ein Notfall. 

Wird nicht innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Beginn des Schubes eine effektive Behandlung eingeleitet, besteht eine große Gefahr, daß es zu Veränderungen im Huf kommt, die nicht mehr rückgängig zu machen sind

Diese können je nach dem Grad der Beschwerden, die sie verursachen und je nachdem wie lange sie andauern durchaus ihren Tierarzt dazu veranlassen ihnen eine Euthanasie des Tieres nahe zu legen. Mit anderen Worten: Es kann sein, daß er ihnen empfehlen wird das Pferd einzuschläfern um ihm weitere Leiden zu ersparen, wenn er der Meinung ist, daß das Pferd starke Schmerzen hat und er nicht glaubt, daß sich das Blatt noch einmal zum Besseren wendet. 

Dies können sie aber mit großer Wahrscheinlichkeit verhindern, wenn sie schnell und besonnen handeln, der Verterinär eine effektive Therapie beginnt und regelmäßig den Erfolg kontrolliert und sie sich genau an die Anweisungen des behandelnden Tieraztes halten. 24 Stunden kommen ihnen vielleicht relativ lang vor, doch bedenken sie, daß sie meistens nicht genau wissen, wann der Reheschub begann! 

Leider gibt es nicht die eine anerkannte Rehebehandlung, die in allen Fällen Erfolg verspricht.

Ich habe 2008 an einem internationalen Hufrehesymposium an der freien Universität Berlin teilgenommen, daß von Bodo Hertsch initiiert und von Hufreheexperten aus aller Welt besucht wurde. Am letzten Tag der Veranstaltung sollte ein „Gold Standard“ von diesen Experten erarbeitet werden. Ein allgemein anerkannter Leitfaden zur Behandlung von Hufrehe. Dies hat nicht stattgefunden, da in den Tagen zuvor schon klar wurde, daß sie sich nicht würden einigen können.... 

Doch dies soll sie nicht entmutigen, sondern im Gegenteil dazu ermutigen ihren Tierarzt anzusprechen, wenn sie das Gefühl haben, die Therapie schlägt nicht an. Man kann dann durchaus einmal etwas anderes versuchen. Es gibt etliche mögliche Therapien von denen jede ihre Erfolge zu verzeichnen hat. 

Wir waren bei den wichtigen Sofortmaßnahmen. 

Sie haben also Ihren Tierarzt informiert und dieser hat ihnen versprochen in einigen Stunden bei ihnen zu sein. 

Bis dahin sollten sie die Hufe des Pferdes möglichst intensiv kühlen. Herr Pollit hat dazu einmal einen Versuch gemacht ( Tierversuche sind leider auch auf diesem Gebiet nötig ): 

Er gab einem Pferd eine gewisse Menge eines Extraktes aus der Schwarzen Wallnuss, von der er wußte, daß sie ganz sicher innerhalb kurzer Zeit eine schwere Hufrehe auslösen würde. Dann stellte er das Pferd für zwei Tage in ein Becken mit eiskaltem Wasser. Dies ist für ein Pferd kein Problem. Man denke nur an Pferde, die ohne Probleme tage- und wochenlang auf einer schneebedeckten Weide stehen. Ansonsten gab es keinerlei Therapie.

Das Pferd hat den schweren Reheschub ohne nachweisbare bleibende Schäden überstanden.

Pollit sagte, daß größte Problem bei diesem Versuch sei gewesen, daß sich das Tier fürchterlich gelangweilt habe... 

Also kühlen sie die Hufe ihres Patienten möglichst ausdauernd. Am Besten geht das mit fließendem Wasser. Halten sie einen Wasserschlauch auf die Hufe. Immer ein paar Minuten auf einen Huf und dann wechseln sie. Konzentrieren sie sich auf die Vorderhufe. Zwar kann die Hufrehe auch die Hinterhufe betreffen, doch sind die Auswirkungen hier in der Regel geringer. 

Wenn das Pferd brav in zwei Eimern steht, können sie diese hufhoch mit kaltem Wasser gemischt mit Eiswürfeln oder Crasheis füllen. Nicht vergessen, hin und wieder Eis nachzufüllen! 

In alten Büchern findet man häufig die Empfehlung das Pferd in einen kalten Bach zu stellen.

Dies ist natürlich eine ideale Möglichkeit, sofern ein solcher in der Nähe ist und das Pferd widerstandslos mitmacht. Denn: 

Bewegen sie das erkrankte Tier so wenig wie möglich! 

Jede Bewegung belastet den Hufbeinträger, der schon geschädigt ist, oder gerade Schädigungen entwickelt. Dazu kann jede Erschütterung durch das Auffußen und jeder Zug der tiefen Beugesehne beitragen, bei jedem Schritt. 

Das Kühlen ist eine Maßnahme, die vor allem in der ganz akuten Phase, sagen wir einmal den ersten ca 72 Stunden sinnvoll ist. 

Streuen sie die Box dick ein, oder stellen sie das Pferd in tiefen, am besten nassen Sand.

So kann es sich so hinstellen, wie es am bequemsten ist und der Druck den das Gewicht des Pferdes erzeugt wird möglichst gleichmäßig verteilt. 

Setzen sie das Pferd unverzüglich auf strenge Diät! Frisches Gras, Kraftfutter und alles, was leichtverdauliche Kohlehydrate oder Zucker enthält ( auch Äpfel etc. ) sind ab sofort und zumindest bis auf weiteres, wahrscheinlich aber dauerhaft verboten! Nur noch Heu in vernünftigen Mengen und nicht von Hochleistungswiesen ist erlaubt. Am Besten vom Vorjahr, da sich die enthaltenen Mengen an Zuckern dann schon teilweise abgebaut haben, oder gründlich gewässert ( mind 60 min). 

Das ist im Grunde auch schon alles, was sie selber als Sofortmaßnahmen tun können.

Mehr ist aber auch zunächst nicht nötig, bis der Tierarzt kommt.

Diese Erste Hilfe Maßnahmen sollten sie aber auch keineswegs unterlassen!

 

Was wird der Tierarzt tun, wenn er da ist?

 

Zunächst wird er das Pferd einer eingehenden Untersuchung und sie einer eingehenden Befragung unterziehen. 

Um festzustellen, ob das Pferd Rehe hat und falls dies der Fall ist den Schweregrad beurteilen zu können wird er 

-es in der Bewegung beurteilen ( s.o. )

-fühlen, wie stark die Pulsation der Mittelfußarterie ist

-die Wärme der Hufe beurteilen

-den Gesamtzustand begutachten

-die Schmerzempfindlichkeit der Sohle mit der Untersuchungszange oder dem -hammer testen 

Nützlich ist es seitliche Röntgenaufnahmen der Hufe anzufertigen. Zwar kann man darauf einen akuten Reheschub nicht erkennen, aber erstens dokumentiert man so die Lage des Hufbeines und kann durch spätere Vergleichsaufnahmen erkennen, ob, wie und wie stark sie sich verändert hat. Und zweitens ist die Kenntniss der Lage der Zehenknochen (Hufbein, Kronbein) sehr Vorteilhaft für die Planung und Durchführung huforthopädischer Maßnahmen, die die Rehetherapie unbedingt ergänzen sollten. 

Möglicherweise wird er erste Maßnahmen in dieser Richtung gleich selber durchführen (Rehegips, Hufkissen etc) oder diese mit ihrem Hufbearbeiter absprechen. 

Er wird mit Ihnen das nötige Management besprechen ( evtl Boxenruhe, Einstreu, Fütterung u.ä.) und eine medikamentöse Therapie einleiten. 

Wenn er bei der Beurteilung des Pferdes den Eindruck hat es könnte eine Stoffwechselerkrankung wie EMS ( Equines Metabolisches Syndrom ) oder Cushing ( Morbus Cushing ) vorliegen, die eine Hufrehe begünstigen oder auslösen kann, wird er eine Blutprobe entnehmen und entsprechend untersuchen lassen. Hinweise darauf geben ihm z.B. die Fettverteilung im Körper oder Fellveränderungen. 

In manchen Fällen wird der Arzt einen Aderlass vornehmen. Dies ist eine alte, aber nicht überholte Behandlung, die den Hämatokrit-Wert senkt, also das Verhältniss von festen zu flüssigen Bestandteilen des Blutes in Richtung der flüssigen verschiebt. Also gewissermaßen das Blut „dünner“ macht, damit es die Kapillargefäße des Hufes besser durchströmen kann. 

Es gibt meines Wissens nur eine einzige Untersuchunsmethode, mir der sich eine akute Hufrehe direkt beweisen und bildlich darstellen läßt: Eine Venographie des Hufes. Dabei wird ein Kontrastmittel injiziert und es werden innerhalb von 45 Sekunden vier bis fünf Röntgenaufnahmen von der Seite und von vorne erstellt. Das Ergebniss ist eine Darstellung des Gefäßsystemes und des Blutflusses, daß sehr genaue Rückschlüsse auf das Vorliegen und den Schweregrad einer Hufrehe zulässt. Der Vorteil dieser Untersuchung ist, das man den Erfolg der eingeleiteten Theraphie sehr gut kontrollieren kann, sofern man innerhalb weniger Tage die Untersuchung wiederholt. Gegebenenfalls kann man die Therapie so kurzfristig anpassen, wenn nicht der erwünschte Erfolg eintritt. 

Allerdings erfordert das Anfertigen und die Beurteilung einer Venographie sehr viel Erfahrung, sie ist verhältnissmäßig aufwändig und kostspielig.

Ich kenne keinen einzigen Tierarzt, der dies durchführt, alle Beispiele, die ich von Fortbildungen und aus der Literatur kenne stammen aus den USA. 

Da man eine Hufrehe mit etwas Erfahrung an ihren Symptomen gut erkennen kann, scheint diese Untersuchung zum Nachweis der Rehe entbehrlich. Die Besserung der Symptome wird hierzulande im allgemeinen zur Kontrolle des Behandlungserfolges als ausreichend erachtet.
Als Bestandteil eines optimalen Vorgehens wollte ich sie aber nicht unerwähnt lassen... 

Es gibt hierzulande vereinzelt Bestrebungen, die Thermographie zur Rehediagnose einzusetzen.

Nach allem was ich darüber weiß ist dies aber unsicher und störanfällig; mindestens aber noch nicht ausgereift. 

Auf jeden Fall ist es äußerst sinnvoll, daß der Veterinär in den ersten Tagen nach der Diagnose den Fortschritt der Behandlung regelmäßig kontrolliert, oder zumindest bei Ihnen abfragt. 

Ich erwähnte vorhin, daß der Veterinär Sie eingehend befragen wird.

Diese Befragung dient dazu die möglichen Ursachen der Rehe in diesem speziellen Fall herauszufinden.

Wenn sie berichten, daß die Symtome Ihrer Meinung nach nach dem Weidegang oder dem Plündern der Futterkammer auftraten stellt sich das Bild anders dar, als wenn sie berichten, daß die Rehe nach einem anstrengenden, langen Ausritt oder mehreren Stunden Hängerfahrt auftrat.

Sind erst einmal keine auslösenden Faktoren ersichtlich kämen beispielsweise eine hormonelle Erkrankung oder eine Vergiftung in Betracht.

Sie können also sehr helfen, wenn sie einmal über die letzten paar Tage im Leben ihres Pferdes genauer nachdenken. 

Auch wenn sie wissen, ob es früher schon einmal eine Hufrehe hatte oder nicht ist dies nützlich. 

 
 

Befolgen Sie in jedem Fall genau die Anweisungen des Tierarztes ihres Vertrauens und machen sie keine Experimente, weil sie einmal etwas irgendwo gelesen oder gehört haben. 

Es gibt für die Behandlung verschiedene Therapieansätze und viele davon können zum Erfolg führen, wenn sie nur konsequent verfolgt werden. 

Wenn sie keinen Erfolg sehen, oder skeptisch sind, holen sie sich gegebenenfalls eine zweite Meinung ein. Das ist meist besser, als wenn sie selber herumprobieren. 

Wenn Sie in einem Internetforum irgendetwas lesen, was bei irgendeinem Fall hervorragend funktioniert hat, bedenken sie, daß sie meist nicht beurteilen können, ob der Fall wirklich genau wie Ihrer liegt, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint!

 Wenn eine Therapie wirkt, werden sich die Symptome zunächst relativ schnell verbessern. Bis sie aber so weit verschwunden sind, wie es unter den gegebenen Umständen möglich ist, kann es Wochen und auch Monate dauern.

Wie gut ihr Pferd irgendwann wieder laufen kann wissen sie unter Umständen erst nach mehr als einem Jahr, wenn sich die Hornkapsel einmal vollständig erneuert hat. 

Sorgen sie dafür, daß ihr Tierarzt und ihr Hufschmied miteinander sprechen! 

In der akuten Phase sowieso, aber auch später. Diese beiden uns sie selbst können sich gegenseitig oft wertvolle Hinweise geben, die letztlich dem Pferd zugute kommen! 

Und sparen sie nicht am falschen Ende; wenn Schmied oder Tierarzt sich Kontroll-Röntgenbilder wünschen, so haben sie dafür meist einen guten Grund und sie erleben keine bösen Überraschungen in dem Fall, daß sich das Hufbein z.b. schleichend senkt, wie es bei Vorliegen von Cushing oder EMS gelegentlich vorkommt. Lebenslange jährliche Kontrollen können unter Umständen sinnvoll sein. 

 

Checkliste:

 

- Pferd läuft verhalten/klamm auf zumindest den Vorderbeinen 

- ist die Rehe auf einem Bein schlimmer, kann es auch wie eine Lahmheit aussehen 

- Pferd versucht auf der hinteren Hufhälfte zu belasten => Trachtenfußung 

- Probleme bei engen Wendungen => Wendeschmerz 

- starke zuweilen pochende Pulsation der Mittelfußarterie 

- warme oder heiße Hufe 

- Vorstellen der Vorderbeine, unterschieben der Hinterbeine=> Sägebockstellung 

- Beim Laufen Lastaufnahme mit den Hinterbeinen durch unterschieben 

- Erhöhter Puls und oder Atemfrequenz (wegen der Schmerzen) 

- „Schmerzgesicht“ 

- Pferd ist sehr dick oder schlecht durch den Fellwechsel gekommen (EMS? Cushing?)

 

Nicht alle Punkte müssen bei einem Reheschub ausgeprägt vorhanden sein 

 

 

Wenn Reheverdacht, dann
 

- Tierarzt rufen 

- Hufe kühlen, falls Möglichkeit vor Ort 

- Pferd möglichst wenig bewegen 

- Tiefe weiche Einstreu 

- sofortige Diät=> möglichst Heu vom Vorjahr + Wasser 

- Tierärztliche Anweisungen befolgen 

- Blutuntersuchung wg EMS/Cushing beim TA erfragen 

- Keine Experimente

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