Tag 38
„Kein Wetter zum Draußensein – aber die Pferde fragen ja nicht danach.“
Der Herbst zeigte heute, was er kann: drei bis sechs Grad, Wind, Regen, ein kurzer Sonnenblick, dann wieder ein Graupelschauer. Einer davon prasselte so heftig auf das Stalldach, dass die Pferde zusammenzuckten. Eigentlich kein Wetter, um stundenlang auf zugigen Stallgassen zu stehen – aber nun ja, es hilft ja nichts.
Der Tag begann in einem kleinen Privatstall. Drei Pferde waren auszuschneiden – unspektakulär, aber angenehm.
Danach nahm der Tag Fahrt auf. Ein Stall nach dem anderen, kurze Strecken, aber kaum Pausen – ein Langstreckenlauf mit Sprints dazwischen. Im zweiten Stall standen mehrere Pferde zum Beschlagen an, eines davon bekam heute zum ersten Mal Eisen. Eigentlich war nur Ausschneiden geplant, aber da das Pferd bald in Beritt gehen soll, wurde kurzfristig umdisponiert. Zum Glück war es brav – die Arbeit dauerte trotzdem länger als gedacht.
Im dritten Stall des Tages lief zunächst alles nach Plan. Einige Pferde wurden ausgeschnitten, andere beschlagen. Nur eines machte es ihm schwer: ein älteres Pferd mit fortgeschrittener Arthrose in den Vordergliedmaßen. Es konnte die Hufe kaum noch geben. Die Arbeit erfolgte fast vollständig am Vorderhufbock – eine Herausforderung, besonders beim Ausschneiden des Strahls, das in dieser Haltung fast artistisch wird. Doch am Ende war auch das geschafft, ruhig und ohne Stress für das Pferd.
Jetzt ist es längst dunkel. Der Atem hängt in der Luft, das Werkzeug liegt sauber verstaut im Wagen. Er freut sich auf sein warmes Zuhause – etwas, das für ihn nie selbstverständlich ist. Nach einem Tag auf nassen Stallgassen ist Wärme ein kleiner Luxus. Und genau für solche Momente ist er dankbar.

