Dieser Gedanke schoss ihm heute durch den Kopf, als er auf dem Heimweg war. Es war einer dieser Tage, an denen die Routine zwar ihren gewohnten Lauf nahm, aber doch ein paar kleine Stolpersteine in den Weg legte. Der Stall, den er heute besuchte, war ihm vertraut – zumindest früher einmal. Viele Jahre war er dort regelmäßig gewesen, bis der Besitzer wechselte und mit ihm die Regeln. Heute war er das erste Mal seit Langem wieder dort, und schon beim Parken wurde ihm klar: Die Dinge sind nicht mehr so, wie sie einmal waren.
Er hatte sich sagen lassen, dass er nicht dort parken sollte, wo er es früher immer getan hatte. Eine Kleinigkeit, könnte man meinen. Aber für ihn war es mehr als das. Veränderungen, auch die kleinsten, hatten eine seltsame Wirkung auf ihn. Vielleicht war es die jahrelange Arbeit mit Pferden, die ihn so geprägt hatte. Pferde mögen keine Veränderungen, und er? Nun ja, er offenbar auch nicht. Mit einem schiefen Lächeln hatte er der neuen Stallbesitzerin erklärt, dass sie Nachsicht mit ihm haben solle – schließlich denke er wie ein Pferd. Und das war nicht einmal gelogen.
Trotzdem lief der Tag besser, als er zunächst befürchtet hatte. Die Pferde waren kooperativ, zumindest die meisten. Ein besonders anspruchsvolles Exemplar, das er vor einigen Wochen mit speziellen Fesselträgereisen beschlagen hatte, war zwar wieder unwillig, aber diesmal war jemand dabei, der wusste, wie man mit solchen Tieren umgeht. Eine dieser Menschen, die man sofort als "Pferdemenschen" erkennt. Mit ihrer Hilfe ging die Arbeit schneller von der Hand, auch wenn das Pferd sich nicht gerade von seiner besten Seite zeigte.
Nach diesem Kraftakt stand noch ein Kaltblut auf der Liste – eine Seltenheit in seiner Kundschaft. Doch das war fast schon eine Erholung im Vergleich. Und dann war da noch dieses eine Pferd, das sonst immer Theater macht, wenn es um die Vorderhufe geht. Heute hatte er eine neue Technik ausprobiert: den Huf in die Schlaufe des Hinterhufbocks legen, anstatt ihn selbst zu halten. Eine kleine Änderung, die den Unterschied machte. Manchmal sind es eben genau diese Kleinigkeiten, die den Tag retten.
Jetzt, auf dem Heimweg, ließ er den Tag noch einmal Revue passieren. Kein spektakulärer Tag, aber auch kein schlechter. Ein Tag, an dem er wieder einmal merkte, wie sehr er an Gewohnheiten hängt – und wie wichtig es ist, manchmal einfach pragmatisch zu sein. Der Gedanke an das Abendessen, das seine Frau ihm versprochen hatte, ließ ihn schmunzeln. Vielleicht war er doch kein Pferd. Aber ein bisschen wie eines zu denken, hatte ihm heute definitiv geholfen.
