Der Tag neigte sich dem Ende zu, und er saß im Auto, auf dem Weg nach Hause. Ein Tag, der, im Vergleich zu manch anderen, fast schon als entspannt durchgehen konnte. Die Planung hatte funktioniert, alles lief wie am Schnürchen – eine willkommene Abwechslung zu dem Chaos des gestrigen Tages. Ein leises Lächeln huschte über sein Gesicht, als er daran dachte, wie selten das vorkam.
Da war dieses Pferd, dessen Besitzerin kurzfristig ins Krankenhaus musste. Der Termin stand auf der Kippe, aber er hatte es trotzdem gemacht. Allein hatte er das Tier von der Wiese geholt – ein längerer Weg, der ihm ein paar zusätzliche Schritte auf dem Schrittzähler einbrachte. Aber immerhin war die Sache erledigt, und die Besitzerin würde sich sicher freuen, dass sie sich darum nicht mehr kümmern musste. Ein kleiner Sieg in einer Woche, die ohnehin schon genug Durcheinander bereithielt.
Am letzten Stall des Tages wartete dann das Pferd mit dem Hufgeschwür. Die Nachricht darüber hatte ihn vorgestern Morgen erreicht, und heute war es soweit: Er fand das Übel genau dort, wo es auf dem Röntgenbild zu sehen gewesen war. Ein ergiebiges Hufgeschwür, wie er es nannte, auch wenn das Pferd erstaunlich wenig lahmte. Ein Fall, der sich fast schon zu glatt lösen ließ – ein seltener Moment in seinem Alltag.
Weniger glatt verlief die Sache mit dem anderen Pferd, dem mit dem Hufkrebs. Letzte Woche hatte er die schlechte Nachricht überbringen müssen, dass die Krankheit, trotz Behandlung in der Tierklinik, nicht vollständig verschwunden war. Heute hatte er tiefe Schnitte setzen müssen, wie es die Klinik vorgegeben hatte. Ein Hufdruckverband und Medikamente sollten nun helfen, aber er wusste, dass es ein zäher Kampf werden würde. Hufkrebs – ein Thema, das ihn immer wieder beschäftigte. Eine Krankheit, die so häufig vorkam und doch so wenig erforscht war. Mineralstoffmangel? Bakterien? Mangelnde Pflege? Die Theorien waren zahlreich, die Gewissheit rar. Er erinnerte sich an ein Gespräch mit einer Professorin auf einer Tagung vor ein paar Jahren. Sie war überzeugt, dass Bakterien die Ursache seien. Und ja, das klang plausibel. Die wirksamsten Mittel hatten schließlich alle eine starke antibakterielle Wirkung. Aber warum war es dann so schwer, eine endgültige Lösung zu finden? Vielleicht würde die Fortbildung nächsten Monat neue Erkenntnisse bringen. Vielleicht auch nicht.
Während er darüber nachdachte, wie unterschiedlich die Verläufe dieser Krankheit sein konnten – von Fällen, die nie wiederkehrten, bis hin zu jenen, die eine Dauerbehandlung erforderten – war es draußen längst dunkel geworden. Der letzte Fall des Tages hatte mehr Zeit in Anspruch genommen, als er gedacht hatte. Aber das war in Ordnung. Heute war er viel auf der Landstraße unterwegs gewesen, was ihm eine willkommene Abwechslung bot. Ein bisschen weniger am Pferd stehen, ein bisschen mehr im Auto sitzen – das hatte fast etwas Erholsames.
Nun war er zu Hause angekommen. Der Tag war vorbei, und er freute sich auf einen geselligen Abend. Ein ruhiger Abschluss für einen Tag, der, trotz allem, verhältnismäßig entspannt gewesen war.
