Der Tag begann mit einer Erinnerung an den verschobenen Termin vom Wochenanfang. Ein Stall voller Handwerker hatte damals die Arbeit unmöglich gemacht, und so war der Termin auf heute verlegt worden. Ein kleiner logistischer Tanz, der sich nun rächte, denn die Lücke, die er für diesen Tag freimachen konnte, war schlicht zu klein. Zu viel Arbeit für zu wenig Zeit – eine Gleichung, die selten aufgeht. Und so war es spät geworden, sehr spät. Die Dunkelheit hatte sich längst über die Landschaft gelegt, als er sich endlich auf den Heimweg machte.
Der erste Termin des Tages verlief immerhin reibungslos. Ein kleiner Lichtblick, der jedoch nicht lange währte. Die Fahrt zum nächsten Stall, eine halbe Stunde über die Landstraße, brachte die nächste Herausforderung: das Wetter. Zu warm für die Jahreszeit, aber stürmisch und regnerisch – eine Kombination, die selbst die überdachte Arbeitsfläche vor dem Stall nutzlos machte. Der Wind trieb den Regen in jede Ecke, und so blieb nur der Rückzug in die Boxen. Beengt, ja, aber immerhin trocken. Die Besitzerin hatte die Einstreu zur Seite geschafft, sodass der Boden zumindest brauchbar war. Licht war kein Problem, dank der beiden Akkuscheinwerfer, die er immer dabei hatte. Ein kleiner Trost inmitten des Chaos.
Das zweite Pferd des Stalls bekam vier Duplos. Ein Beschlag, den er an sich schätzte, wäre da nicht das Mikroplastik. Der Abrieb bei der Nutzung, der Plastikstaub beim Schleifen – all das verteilte sich in alle Winde. Ein Gedanke, der ihn beschäftigte. Vielleicht gab es eine bessere Lösung für die Bearbeitung, eine, die weniger Spuren hinterließ. Aber das war ein Problem für einen anderen Tag.
Der letzte Termin führte ihn zu einem Pferd, das sich die Vorderhufe zu kurz gelaufen hatte. Fühlig, lahm auf der Hinterhand – eine Folge einer kleinen Keilerei im Offenstall. Die Besitzerin hatte ursprünglich einen Klebebeschlag gewollt, doch die Tierärztin hatte ihr das ausgeredet. Zum Glück, dachte er, denn Klebebeschläge waren für ihn eine Notlösung, und dieser Fall rechtfertigte sie nicht. Stattdessen gab es normale Stahleisen, befestigt mit vier dünnen Nägeln. Das Pferd ließ sich brav beschlagen, wie erwartet. Es waren die ersten Eisen, aber die Probleme lagen meist bei den Besitzern, nicht bei den Pferden. Zumal er ohnehin kalt beschlug – kein Zischen, kein Qualm, keine Angst.
Nun war er also auf dem Heimweg, der Tag lag hinter ihm. Der Wind, der Regen, die Arbeit – alles verblasste langsam in der Dunkelheit. Ein wohliges, ruhiges Heim wartete auf ihn, ein Ort, an dem er den Rest des Abends genießen konnte. Doch ein Gedanke blieb: das verlorene Eisen, das er eigentlich noch hätte aufnageln sollen. Morgen früh also, eine Viertelstunde früher als sonst. Ein kleiner Preis für einen Moment der Ruhe heute Abend.
