Ein verlorenes Eisen verändert die Tagesplanung

Tag 32

Er hatte sich am Wochenende noch wunderbar erholt, und doch begann der Montag mit diesem leisen Schmunzeln, das nur entsteht, wenn Pläne in sich zusammensacken wie ein schlecht angebundener Heuballen. Ein Pferd hatte sein Eisen verloren – ausgerechnet jenes, das ohnehin später in der Woche dran gewesen wäre. Da es ohne den Schutz nicht gut laufen konnte, stellte er am Morgen die halbe Tagesordnung auf den Kopf, schob Telefonate, sortierte Nachrichten und legte Termine übereinander, bis es irgendwie passte.

Am Ende war er früher im betreffenden Stall als geplant, beschlug nicht nur dieses eine Pferd neu, sondern schnitt noch einige andere aus. Die Mühe lohnte sich: Er sparte sich mindestens eine Stunde Fahrzeit, und das Pferd stand wieder ordentlich da – gleich komplett neu beschlagen.

Der Nachmittag gehörte dem großen Offenstall, in dem der Wind mäßig durch die Anlage zog. Dort warteten einige Pferde, darunter jene Termine, die er letzte Woche wegen seines Reha-Tages verschoben hatte. Wie so oft begegnete er Menschen, die eigentlich gar nichts von ihm wollten. Einer stand wegen eines lahmenden Pferdes bereit; der Tierarzt hatte am Wochenende ein Hufgeschwür festgestellt, und da die Behandlung bereits lief, blieb er selbstverständlich außen vor. Das Pferd lief heute schon erstaunlich ordentlich, das Geschwür war wohl am Kronensaum durchgebrochen.

Von seinen eigenen Patienten sah er heute keinen. Übermorgen würde er wieder vorbeikommen und nach ein, zwei Pferden schauen.

Er traf auch den Besitzer jenes Pferdes, das letzte Woche suchend und trauernd über den Paddock gelaufen war, nachdem die Stute aus seiner kleinen „Ehegemeinschaft“ eingeschläfert worden war. Heute klang der Mann erleichtert: Das Pferd habe sich beruhigt; es sei ja nicht allein, zwei weitere Gruppenmitglieder seien geblieben.

Der Feierabend kam ungewohnt früh – zumindest seinem Namen nach. Tatsächlich warteten noch zwei Stunden Schreibtischarbeit auf ihn, dringende Steuersachen, die niemand sonst erledigen würde. Immerhin war es trocken geblieben; er hatte schon befürchtet, im Regen im Offenstall zu stehen. Gegen Mittag war es erstaunlich warm gewesen, doch morgens und abends erinnerte die Luft bereits deutlich daran, dass November ist.

Jetzt, endlich zu Hause, dachte er nur noch an Duschen, Essen und an den Schreibtisch. Ein langer Tag – aber einer, der sich trotz aller Umplanerei erstaunlich rund angefühlt hatte.

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