Dramatisches Hufgeschwür-Hufdruckverband!

„Man glaubt es kaum, wie unsichtbar die Vergangenheit manchmal wird.“ Dieser Gedanke schoss ihm durch den Kopf, als er heute in einem Offenstall stand und ein Pferd bearbeitete, das ihm vor einem Jahr noch schlaflose Nächte bereitet hatte. Damals war es ein dramatischer Fall – ein Hufgeschwür, so groß und hartnäckig, dass es fast schon ein eigenes Kapitel in einem Lehrbuch verdient hätte. Wochenlange Behandlungen, ein Rückfall, Einzelhaft für das Pferd und schließlich eine aufwendige Kombination aus Hufdruckverband, Duplo-Beschlag und Medikamenten. Und jetzt? Nichts. Keine Narbe, keine Verfärbung, als wäre nie etwas gewesen. Fast schon unverschämt perfekt, dachte er mit einem Anflug von Ironie.

Die Besitzerin hatte er heute auch wieder getroffen. Sie war erfreut, als er ihr endlich den Link zu dem YouTube-Video gab, das er damals über die Behandlung gemacht hatte. Zugegeben, mit ein paar Monaten Verspätung – aber besser spät als nie, oder? Er musste schmunzeln. Die Zeit vergeht eben schneller, als man denkt, besonders wenn man von Offenstall zu Offenstall fährt und dabei versucht, die Terminplanung irgendwie mit den Wünschen der Kunden in Einklang zu bringen. Planung, das klang immer so schön geordnet, aber in der Realität war es oft eher ein kontrolliertes Chaos.

Heute hatte er Glück mit dem Wetter, was bei Offenställen keine Selbstverständlichkeit ist. Etliche Pferde hatte er geschnitten, zwei davon sogar beschlagen – obwohl die langfristige Idee war, sie auf Barhuf umzustellen. Aber alles zu seiner Zeit. Geduld war schließlich eine Tugend, auch wenn sie manchmal auf die Probe gestellt wurde. So wie bei der kleinen Extratour, die er am Abend noch eingeschoben hatte. Ein Pferd hatte sich ein Eisen abgetreten, und da es auf dem Weg lag und noch nicht allzu spät war, hatte er es kurzerhand erledigt. Ein bisschen schade, weil der Beschlag ohnehin in zwei Wochen erneuert werden sollte, aber so war das eben. Manchmal war Effizienz ein Luxus, den man sich nicht immer leisten konnte.

Morgen würde er wieder in den Offenstall fahren – zum dritten Mal in Folge, was eher die Ausnahme war. Aber so war es eben mit der Planung. Sie war ein Vorschlag, keine Garantie. Und während er sich auf den Heimweg machte, dachte er noch einmal an das Pferd mit dem Hufgeschwür. Es war erstaunlich, wie gut die Natur sich regenerieren konnte, wenn man ihr ein bisschen auf die Sprünge half. Fast, als wäre nie etwas gewesen. Fast.

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