Den Kaltschmied und den Pfaffen hat der Teufel erschaffen

Tag 34

Er dachte über diesen Satz nach, während er den Heimweg antrat. Ein Tag, der sich wie ein goldener Oktober anfühlte, obwohl der Kalender längst November zeigte, lag hinter ihm. Zwanzig Grad, Sonnenschein und Fliegen, die erstaunlicherweise heute keine Lust hatten, die Pferde zu ärgern – fast schon paradiesische Zustände. Aber wie das so ist: Paradies und Hölle liegen manchmal nah beieinander.

Der Tag begann mit einem einzigen Pferd, das beschlagen werden musste. Eine überschaubare Aufgabe, könnte man meinen. Doch dann kam die Frage der Besitzerin: Warm- oder Kaltbeschlag – was ist besser? Er musste schmunzeln. Die Antwort war für ihn klar, aber die Geschichte, die sie erzählte, war es wert, festgehalten zu werden. Ein Kollege hatte ihr erklärt, dass Warmbeschlag der einzig wahre Weg sei, weil – und jetzt kommt’s – „Wer kalt beschlägt, kommt in die Hölle.“ Er erinnerte sich an seinen eigenen Chef, der einst mit einem Augenzwinkern behauptet hatte: „Den Kaltschmied und den Pfaffen hat der Teufel erschaffen.“ Ironie des Schicksals, denn dieser Chef hatte selbst kalt beschlagen. Und er? Er tat es genauso.

Er erklärte der Frau geduldig, dass es im Grunde genommen keinen Unterschied für das Pferd mache, ob warm oder kalt beschlagen wird – vorausgesetzt, der Schmied versteht sein Handwerk. Es sind nur unterschiedliche Arbeitsweisen, die sich in einem einzigen Schritt unterscheiden. Der Warmschmied hat es ein wenig einfacher, das Horn wird durch die Hitze direkt plangebrannt. Der Kaltschmied hingegen arbeitet mit Präzision und einer guten Raspel. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile, aber am Ende zählt nur, dass das Pferd gut läuft.

Der zweite Einsatzort war deutlich arbeitsintensiver. Viele Pferde, viele Hufe – und einige alte Tiere, deren Hinterbeine kaum noch zu heben waren. Er musste improvisieren, die Hufe auf die Spitze stellen, um sie überhaupt bearbeiten zu können. Es war mühsam, aber er wusste, dass es für die Tiere so angenehmer war. Ein Pferd bekam Duplos – eine kleine Abwechslung in der Routine.

Jetzt, da er zu Hause angekommen war, konnte er endlich durchatmen. Kein Büro, keine weiteren Aufgaben – nur der Feierabend. Der Tag war arbeitsreich, aber auch irgendwie erfüllend. Und während er sich auf die Couch sinken ließ, dachte er noch einmal an die Worte seines Chefs. Vielleicht hatte der Teufel ja doch ein Faible für Kaltschmiede. Aber wenn das so war, dann war er heute ganz sicher nicht in der Hölle. Vielmehr fühlte es sich an wie ein goldener Oktober – im November.

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