Altes Hufgeschwür-Grund für Lahmheit?

Tag 42

Er kam gerade vom Lager zurück, das Auto wieder gefüllt mit Eisen, Nägeln und ein paar schweren Säcken Ginkgo für den Versand. Alles an seinem Platz, zumindest materiell. Der Vormittag hatte ihm nicht gehört. Ein Zahnarzttermin, lange geplant, nichts Dramatisches. Eine kleine Füllung, Routine. Aber eben einer von der Sorte, bei der man stillliegt und die Zeit nicht nutzen kann. In solchen Stunden werden keine Pferde gemacht, und der Tag rückt unmerklich zusammen.

So blieb es überschaubar. Weniger Tiere, kurze Wege, kein Drängen. Zwei Pferde waren wieder dabei, die er lange nicht gesehen hatte. Sie standen zwischenzeitlich weiter weg, zu weit, um regelmäßig hinzufahren. Jetzt waren sie zurück. Der Besitzer sorgte sich um die Hinterhufe, um zu kurze Trachten, und zwischen den Worten lag der Verdacht, dass es an der Bearbeitung der letzten Zeit gelegen haben könnte.

Er sah das anders. Vorne zeigten sich kleine Probleme an den Vordergliedmaßen, nichts Akutes, aber genug, um das Bewegungsmuster zu verändern. Wenn ein Pferd beginnt, die Hinterhufe weiter unterzuschieben und früher Last aufzunehmen, dann leidet die Trachte. Mehr Abrieb, früherer Kontakt, ein schleichender Prozess. Kein Fehler, eher eine Folge.

Ein anderes Pferd trug seine Geschichte noch deutlicher mit sich. Vor etwa zwei Jahren ein Hufgeschwür, längst verheilt, und doch war der Kanal noch sichtbar. Ein schmaler Hinweis auf etwas, das eigentlich vorbei sein sollte. Sie sprachen lange darüber. Die Idee eines Röntgenbildes lag schließlich auf dem Tisch. Um zu sehen, ob dort nur ein Hohlraum geblieben war oder ob ein anderer Prozess dahintersteckte, vielleicht eine Hornsäule.

Sollte das Bild unauffällig sein, wäre die Erklärung simpel. Bakterien, die Horn zersetzen, finden manchmal genau dort ideale Bedingungen, besonders bei einem Huf, der langsam wächst. Dann bleibt ein Hohlraum bestehen, hartnäckig, aber beherrschbar. Offenhalten, behandeln, bakterizid arbeiten. Mehr braucht es oft nicht.

Je nach Befund könnte auch ein vorübergehender Beschlag sinnvoll sein. Die Fehlstelle vollständig entfernen, auch wenn sie bis etwa zur Mitte des Hufes reichen würde. Bei Größe und Gewicht des Pferdes wäre das nichts für Improvisation. In Absprache mit dem Tierarzt, stützend, zeitlich begrenzt, sauber geplant.

Eile war keine geboten. Keine Pulsation, keine Wärme, kein Sekret, die Zange blieb ohne Reaktion. Trotzdem riet er zum Röntgen. Nicht aus Sorge, sondern aus Verantwortung. Manchmal reicht das Wissen, um wieder ruhig schlafen zu können.

Jetzt bleiben nur noch die Ginkgosäcke im Auto. Danach ist Schluss für heute. Der Tag war kürzer, aber nicht leer. Er hatte nur weniger Platz, sich auszubreiten.

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