Aktivstall und Geisterpferde

Er steht da, mitten im Aktivstall, und fragt sich, ob er hier überhaupt gebraucht wird. Die Pferde – sie machen ihm die Arbeit fast schon zu leicht. Bewegung ohne Ende, Sandpaddock, Hallen – die Hufe? Praktisch Selbstläufer. Aber natürlich, ein paar Korrekturen hier und da müssen sein. Besonders bei den älteren Herrschaften, die ihre Hufe nicht mehr ganz so gleichmäßig belasten. Altersbedingt, versteht sich. Schief abgelaufen, aber nichts, was ihn aus der Ruhe bringt. Ein Wunder, dass nur eines dieser Tiere Eisen benötigt. Aktivstall – ein Konzept, das er durchaus zu schätzen weiß. Aber wie immer: Nicht alles ist für jeden geeignet.

Er denkt an die automatischen Futterstationen, die von den dominanteren Pferden bewacht werden, und an die wenigen, die damit nicht klarkommen. Stress, der sich manchmal in der Gruppendynamik zeigt. Doch hier? Hier scheint alles zu funktionieren. Die Gruppe ist eingespielt, fast schon harmonisch. Nur dieses eine Pferd, das neu dazugekommen ist – rüpelhaft, auffällig, ein kleiner Störenfried. Aber auch das wird sich legen, hofft er.

Der zweite Stall – nur ein Steinwurf entfernt. Auch dort: Barhufer, überwiegend. Er arbeitet sich durch, routiniert, wie immer. Und als er fertig ist, ist es längst dunkel. Mitte Dezember eben. Er bleibt noch kurz stehen, schaut den Pferden in der Führanlage zu. Im Halbdunkel, wie sie sich im Kreis bewegen. Es sieht aus, als wären es Geisterpferde. Ein seltsamer, fast schon magischer Moment. Und dann? Dann geht er. Ein Tag wie jeder andere – oder vielleicht doch nicht?

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