Hufkrebs und Gummistiefel für Pferde

Es war einer dieser Tage, an denen das Wetter sich nicht entscheiden konnte, ob es nun Herbst oder doch schon Winter sein wollte. Leichter Regen, gefühlte fünfzehn Grad – Anfang Dezember, wohlgemerkt. Der Boden in den Stallungen war nass, die Luftfeuchtigkeit kondensierte auf dem kalten Untergrund, und manchmal war es rutschig. Aber das war nichts, was ihn aus der Ruhe bringen konnte. Schließlich war er es gewohnt, mit den Launen von Wetter, Pferden und Menschen gleichermaßen umzugehen.

Heute führte ihn sein Weg zu einem Pferd, das er schon länger kannte. Ein Fall von Hufkrebs, der sich hartnäckig gezeigt hatte. Drei Wochen Klinikaufenthalt lagen hinter dem Tier – nicht das erste Mal, aber hoffentlich das letzte. Beim ersten Versuch war das Ergebnis enttäuschend gewesen, und die Nachbehandlung hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Dieses Mal jedoch schien die Sache besser zu laufen. Der Huf war mit einem Verband versehen, der regelmäßig gewechselt wurde, und ein Medikament in Pastenform tat seinen Dienst. Alles wurde von einem kleinen blauen Gummistiefel, einem sogenannten Davis-Krankenschuh, an Ort und Stelle gehalten. Eine simple, aber geniale Erfindung, die es dem Pferd ermöglichte, trotz der Behandlung mit den anderen auf die Wiese zu gehen. Kein Boxenknast, keine Langeweile – ein kleiner Sieg für das Tier und seine Besitzerin.

Er beobachtete das Pferd, wie es mit dem klobigen Schuh seine ersten Schritte machte. Anfangs noch etwas unbeholfen, doch dann lief es, als wäre nichts gewesen. Ein Anblick, der ihn jedes Mal aufs Neue faszinierte. Diese Schuhe waren wirklich eine praktische Sache, auch wenn die Größen manchmal nicht ganz passten und man mit dicken Verbänden nachhelfen musste. Aber das war ein kleiner Preis für die Vorteile, die sie boten. In all den Jahren hatte er vielleicht zwei Fälle erlebt, in denen ein Pferd so einen Schuh verloren hatte. Ärgerlich, ja, aber selten.

Der Tag war insgesamt angenehm verlaufen, abgesehen vom Wetter. Die Pferde waren brav, die Arbeit lief rund, und jetzt war er fast zu Hause. Ein Tag, der zeigte, dass auch in den kleinen Dingen – einem blauen Gummistiefel, einem trockenen Verband, einem Pferd, das wieder laufen kann – ein Stück Zufriedenheit steckt. Morgen würde es weitergehen, mit neuen Pferden, neuen Herausforderungen und vielleicht auch wieder einem kleinen Wunder.

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