Fohlen, Bockhufe und Pferdegeburtstag

„Die Kleinsten sind die Schwierigsten – und die Spannendsten.“ Mit diesem Gedanken begann sein Tag. Ein Tag beim Züchter, der wie immer eine Mischung aus Routine und Herausforderung versprach. Pferde aller Altersklassen warteten darauf, dass er ihre Hufe in Form brachte. Die einen brauchten nur einen Trimm, die anderen – die, die in ihrer Ausbildung schon weiter waren – ein paar Hufeisen. Doch die eigentlichen Stars des Tages waren die Jüngsten. Die Fohlen, die nächste Woche von ihren Müttern abgesetzt werden würden und ab dem 1. Januar offiziell als Jährlinge galten. Ein kurioser Gedanke, dass ein Sommerfohlen am Neujahrstag plötzlich ein Jahr alt sein soll. Aber so sind die Regeln.

Die Arbeit mit den Fohlen war immer ein Balanceakt zwischen Geduld und Präzision. Gerade bei den Kleinsten lag das größte Potenzial, Fehlstellungen zu korrigieren, bevor sie sich festigten. Natürlich konnte er nicht alles durch den Huftrimm beheben, aber einiges eben doch. Und bei diesem Züchter war die Ausgangslage glücklicherweise gut – genetisch einwandfreie Pferde mit geraden Gliedmaßen. Nur hin und wieder musste er darauf achten, dass die Hufe nicht zu steil wurden, besonders bei den Jungpferden, die gerade einen Wachstumsschub durchmachten. Ein Phänomen, das er fast schon mit einem Schmunzeln betrachtete: Die Knochen wuchsen schneller als die Sehnen, und schon neigten sich die Hufe in Richtung Bockhufe. Doch mit regelmäßigen Kontrollen und kleinen Korrekturen ließ sich das gut in den Griff bekommen.

Er dachte an die vielen Möglichkeiten, die es gab, wenn es doch einmal schlimmer wurde – von Fohlenschuhen bis hin zu speziellen Beschlägen. Aber all das war nur die halbe Miete. Haltung war der Schlüssel. Harte Böden, regelmäßige Bewegung – das waren die unsichtbaren Helfer, die seine Arbeit unterstützten. Glücklicherweise war das in diesem Stall selten ein Problem. Eigentlich noch nie.

Zwischendurch kam das Gespräch auf die Kosten. Ein-, zwei-, dreijährige Pferde, die oft unter Wert verkauft wurden, weil vielen nicht klar war, wie viel Geld bis dahin in ihnen steckte. Decktaxe, Tierarzt, Futter, Unterbringung – die Liste war lang. Und am Ende blieb oft nur der Wunsch, dass das Pferd in gute Hände kam, auch wenn es Verluste bedeutete.

Am Abend, zurück am Schreibtisch, warteten die Steuersachen. Die hatte er gestern aufgeschoben, und jetzt bereute er es ein wenig. Schade eigentlich. Aber so war das eben. Ein Tag beim Züchter – voller kleiner Herausforderungen, großer Verantwortung und der leisen Ironie, dass die Arbeit nie wirklich aufhörte.

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