Zwischen Hufgeschwüren und Herbstsonne

Gott sei Dank, keine Beschwerden!“ – ein Satz, der ihm heute immer wieder durch den Kopf ging. Der Tag war lang, aber er hatte recht behalten: Der gestrige „Reha-Tag“, wie er ihn mit einem Augenzwinkern nennt, war eine kluge Entscheidung. Ein Tag der Erholung, der ihm heute die nötige Kraft verlieh, um sich durch das Programm zu arbeiten. Und was für ein Programm das war.

Das Herbstwetter zeigte sich von seiner besten Seite – Sonnenschein, klare Luft, ein Hauch von goldener Jahreszeit. Zwei Stationen standen auf dem Plan. Die erste war fast schon ein Heimspiel: Ein privater Stall, den er seit Jahren besucht. Dort warteten einige Pferde auf ihn, von denen nur eines beschlagen werden musste, während die anderen mit einem routinierten Ausschneiden der Hufe zufrieden waren. Ein Vormittag, der sich fast wie ein Plausch unter alten Bekannten anfühlte – Hufe schneiden, Tee trinken, Geschichten austauschen. Ein angenehmer Start, der ihn daran erinnerte, warum er diesen Beruf liebt, auch wenn er ihn nie laut aussprechen würde.

Die zweite Station war ein großer Offenstall, der ihm schon beim Gedanken daran ein leises Seufzen entlockte. Überraschungen? Zum Glück keine großen. Aber spannend war es trotzdem. Zwei Pferde, die sich von einem Hufgeschwür erholten, und ein Hufkrebspatient – drei Fälle, die seine volle Aufmerksamkeit forderten. Die beiden Hufgeschwür-Patienten machten ihm Hoffnung. Das eine Pferd, dessen Kanal er seit Wochen regelmäßig freischneidet, zeigte deutliche Fortschritte. Der Kronrand, an dem das Geschwür herausgekommen war, hatte sich gut erholt, und die Sohle war stabil. Trotzdem bleibt er wachsam – ein Rezidiv will er um jeden Preis verhindern. Das zweite Pferd, erst vor einer Woche behandelt, lief bereits lahmfrei. Der Watte-Salbe-Pfropf, den er in den Kanal stopft, hielt erstaunlich gut. Ein kleines Detail, das ihm ein zufriedenes Nicken entlockte.

Doch dann war da noch der Hufkrebsfall. Weniger erfreulich. Die Fortschritte waren da, aber nicht genug. Die Besitzerin entschied sich, das Pferd erneut in die Klinik zu bringen – eine Entscheidung, die er unterstützte. Manchmal braucht es eben mehr als das, was vor Ort möglich ist. Er würde die Nachsorge übernehmen, sobald das Pferd zurückkommt. Ein Plan, der ihn beruhigte, auch wenn die Situation ihn innerlich beschäftigte.

Und jetzt? Feierabend. Endlich. Er spürte die Müdigkeit in seinen Knochen, aber auch eine leise Zufriedenheit. Der Tag war geschafft, die Arbeit getan. Er würde sich weiter erholen, wie gestern – ein bisschen „Reha“, ein bisschen Ruhe. Morgen ist ein neuer Tag, und er weiß, dass die Hufe nicht auf ihn warten werden. Aber heute? Heute ist Schluss.

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