Woran erkennst du, dass dein Pferd auf einen Reheschub zusteuert – bevor es wirklich schlimm wird? Diese vier Frühwarnzeichen geben dir eine Antwort.
Hufrehe beginnt selten ohne Vorwarnung. Bevor ein Pferd richtig lahm geht oder sich kaum noch bewegt, schickt sein Körper oft schon Signale. Das Problem: Viele dieser Zeichen sind subtil, leicht zu übersehen oder werden falsch gedeutet. Wer seinen Blick schärft und weiß, was er abtasten und beobachten soll, hat einen echten Vorsprung. In dieser Folge zeige ich dir die vier körperlichen Frühwarnzeichen bei Hufrehe, die ich in über 30 Jahren als Hufschmied immer wieder beobachtet habe: den Puls der Mittelfußarterie, die Hufwärme, den Wendeschmerz und das veränderte Schrittbild. Und ich erkläre, wo die häufigsten Fehler bei der Beurteilung liegen.
Den Digitalpuls richtig tasten – und was er verrät
Die Mittelfußarterie ist dein direktes Messinstrument. Ich erkläre dir, wo du sie findest, wie du den Puls mit den Fingerkuppen ertastest und warum ein pochender Puls ein ernstes Signal ist, das du nicht ignorieren solltest. Und warum es sich lohnt, diesen Puls regelmäßig zu notieren, wenn dein Pferd gefährdet ist.
Warum Hufwärme ein kniffliges Zeichen ist
Warme Hufe sind ein mögliches Warnsignal, aber nicht immer eindeutig. Ich zeige dir, wann die Temperatur wirklich bedeutsam ist, warum der Winter die Sache zusätzlich verkompliziert und worauf du beim Vergleich achten musst.
Was der Wendeschmerz verrät und wie du ihn prüfst
Enge Wendungen sind ein einfacher, aber aussagekräftiger Test. Du lernst, was du dabei beobachten solltest und warum steif-hölzerne Bewegungen in beide Richtungen eine gelbe Karte bedeuten.
Das veränderte Schrittbild: von „Muskelkater-Gang“ bis Trachtenfußung
Wenn ein Pferd auf einmal kürzer tritt oder wirkt, als hätte es Muskelkater ist Aufmerksamkeit gefragt. Ich erkläre, welche Schrittbilder auf Hufrehe hindeuten und was die Trachtenfußung bedeutet.
1.6 Fach-/Praxisabschnitt
Digitalpuls: Dein Finger als Frühwarnsystem
Dass Pferde mit Hufrehe warme Hufe und einen spürbaren Puls zeigen können, ist unter Pferdebesitzern bekannt. Was weniger bekannt ist: Man kann und sollte diesen Puls schon lange beobachten, bevor es zu einem akuten Schub kommt.
Die Mittelfußarterie verläuft am Fesselkopf seitlich vorbei, ein ein paar Millimeter dicker Schlauch, den du mit etwas Übung gut ertasten kannst. Legst du deine Fingerkuppen darauf und erhöhst langsam den Druck, spürst du bei einem gesunden Pferd einen ruhigen Puls. Wenn die Arterie beim Herzschlag kräftig pocht - so deutlich, dass du keinen Druck ausüben musst, um ihn zu fühlen - kann das ein ernstes Zeichen sein. Im Huf drückt geschwollenes Gewebe die Blutgefäße zusammen, weil es zwischen Hufbein und Hornkapsel keinen Platz hat. Oberhalb des Hufes entsteht ein Stau, und genau den fühlst du.
Besonders wertvoll ist der Digitalpuls als Verlaufskontrolle bei Pferden, die grundsätzlich gefährdet sind; etwa bei EMS-Verdacht, bei Übergewicht oder nach einem früheren Reheschub. Mach dir eine einfache Skala von 0 bis 3, trag die Werte ein- bis zweimal täglich in dein Handy ein und beobachte, ob und wie sich der Puls verändert. Wenn du plötzlich dauerhaft bei 3 landest, ist das ein Signal: Weidegang überdenken, Fütterung prüfen, Bewegungsbild genau beobachten.
Wichtig dabei: Immer rechts-links und vorne-hinten vergleichen. Ein einzelner stärkerer Puls kann auch auf ein Hufgeschwür oder eine Prellung hindeuten. Erst wenn mehrere Hufe betroffen sind – und wenn gleichzeitig Wärme, Wendeschmerz oder Veränderungen im Schrittbild dazukommen – verdichtet sich das Bild.
Genau hier liegt der häufigste Fehler: Einzelne Zeichen werden isoliert bewertet. Ein Zeichen allein ist oft nicht eindeutig. Zwei oder drei Zeichen gleichzeitig sind eine klare Aufforderung zum Handeln. Handeln heißt: runter vom Gras, auf Diät, weich einstellen, Tierarzt rufen.
1.7 Hinweis zum Anhören
Im Podcast erkläre ich Schritt für Schritt, wie du den Digitalpuls selbst ertasten lernst. Inklusive eines kleinen Tipps, wie du das Gefühl dafür zunächst an dir selbst üben kannst. Außerdem spreche ich über typische Situationen, in denen Pferdebesitzer zögern und abwarten, obwohl schnelles Handeln entscheidend wäre. Und ich erkläre, warum eine scheinbar einseitige Lahmheit im Frühstadium einer Hufrehe so oft für etwas anderes gehalten wird – ein Missverständnis, das mir selbst gelegentlich passiert ist.