Kühlen bei akuter Hufrehe kann die Schäden am Hufbeinträger bremsen, aber nur wenn Du früh und lange genug kühlst; damit Du es richtig machst, erkläre ich Dir worauf es ankommt.
„Ich funktioniere nur noch: kühlen, Puls fühlen, Heu wässern, kaum Schlaf."
Wenn Dein Pferd einen Reheschub hat, bist Du plötzlich rund um die Uhr gefordert. Und beim Kühlen fragst Du Dich: Wie lange muss ich das machen? Reicht eine Stunde? Kann ich dem Huf damit schaden? Jeder erzählt Dir etwas anderes.
Stell Dir vor, Du wüsstest genau, wann Kühlen den größten Nutzen bringt, wie Du es praktisch umsetzt und wann Du es lassen kannst. Du könntest die Stunden, in denen Du neben Deinem Pferd stehst, sinnvoll nutzen statt verunsichert. Das ändert nicht nur die Prognose für den Huf, sondern auch, wie Du diese Zeit erlebst.
Kaum eine Maßnahme bei Hufrehe wird so oft empfohlen und gleichzeitig so unterschiedlich umgesetzt wie das Kühlen. Die einen kühlen ein paar Minuten und halten das für erledigt, die anderen haben Sorge, der Huf könnte im Eiswasser Schaden nehmen. Dabei ist das Prinzip eigentlich einfach, und die Forschung dazu ist eindeutiger, als viele denken. Entscheidend ist aber, wann und wie lange Du kühlst. Denn Kühlen kann bei akuter Hufrehe tatsächlich viel bewirken; es ersetzt jedoch weder den Tierarzt noch die Suche nach der Ursache.
Nach dieser Folge kannst Du …
Kühlen richtig einordnen: Du verstehst, was im Gewebe passiert, wenn es kalt wird, und warum genau dieser Effekt im Hufbeinträger so wertvoll ist. Damit Du nicht mehr rätst, ob Kühlen überhaupt etwas bringt, sondern weißt, warum es wirkt.
Den richtigen Zeitpunkt einschätzen: Du weißt, dass der richtige Zeitpunkt früher liegt, als die meisten denken, und kannst einordnen, was Kühlen noch leisten kann, wenn das Hufbein bereits abgesenkt oder rotiert ist. Damit Du Dich nicht erst nach dem Röntgenbild traust, etwas zu tun.
Praktisch und sicher kühlen: Vom Eimer mit Eiswasser über Kühlgamaschen bis zur improvisierten Lösung mit dem, was im Stall gerade da ist. Du weißt auch, wann Du es besser lässt, weil Dein Pferd nicht mitmacht, damit Du keinen Stress erzeugst, der das Ganze verschlimmert.
Die typischen Fehler vermeiden: Von der zu kurzen Kühldauer bis zum falschen Untergrund gibt es ein paar Stolperfallen, die das Kühlen wirkungslos machen. Du erkennst sie, bevor Du sie machst.
Kühlen im Gesamtplan einordnen: Du verstehst, warum es ein wichtiges Werkzeug ist, aber eben nur eins von vielen, und was parallel unbedingt passieren muss. Damit Du nicht alles auf eine Karte setzt und das Entscheidende vergisst.
Warum zehn Minuten Kühlen bei Hufrehe nichts bringen
Jeder kennt das Prinzip aus dem eigenen Alltag: Du knickst um, legst ein Kühlpad auf, und die Schwellung nimmt nicht weiter zu. Das liegt daran, dass die meisten chemischen Prozesse umso schneller ablaufen, je wärmer es ist. Kälte dämpft die Stoffwechselaktivität in den Zellen und bremst die Vorgänge im Gewebe.
Genau diesen Effekt nutzen wir bei der Kryotherapie, also dem gezielten Kühlen bei akuter Hufrehe. Im Hufbeinträger, dem Lamellengewebe, das das Hufbein mit der Hufkapsel verbindet, läuft bei einem Reheschub ein Prozess ab, der sich ohne Bremse immer weiter hochschaukelt. Kühlen verlangsamt diese Eskalation. Im Idealfall so stark, dass die Lamellen noch nicht dauerhaft geschädigt sind, wenn die Ursache abgestellt ist.
Und hier liegt der häufigste Fehler: Viele kühlen zu kurz. Zehn Minuten Eiswasser und dann ist es gut? Das kannst Du Dir leider sparen. Der Huf ist verhältnismäßig gut isoliert, deshalb musst Du ihn sehr intensiv kühlen. Wirksames Kühlen bedeutet Stunden, manchmal sogar Tage.
Der zweite entscheidende Punkt ist der Zeitpunkt. Kühlen bringt umso mehr, je früher Du anfängst. Das Problem: Wenn Du an Deinem Pferd Rehesymptome siehst, ist im Huf bereits etwas passiert. Deshalb gilt für mich: Schon beim Verdacht kühlen, nicht erst, wenn die Diagnose sicher ist. Hat das Röntgenbild bereits gezeigt, dass das Hufbein abgesenkt oder rotiert ist, kann Kühlen zwar noch Schlimmeres verhindern, falls die Ursache weiter einwirkt. Was aber schon kaputt ist, lässt sich damit nicht mehr reparieren.
Und noch etwas ist mir wichtig: Kühlen ist kein Ersatz für den Tierarzt. Wenn Du Dich zwischen Kühlen und Tierarzt entscheiden müsstest, nimm immer den Tierarzt. Am besten machst Du aber beides: Tierarzt rufen und parallel kühlen. Denn Kühlen bremst den Prozess im Huf, aber zur Ruhe kommt er erst, wenn die Ursache abgestellt ist.
Warum sich das Anhören lohnt
Im Audio erzähle ich Dir von einem Forschungsversuch, den Christopher Pollitt vor rund 20 Jahren auf dem ersten internationalen Hufrehesymposium in Berlin vorgestellt hat. Das Ergebnis zeigt eindrucksvoll, was Kühlen leisten kann, und warum wir im Stallalltag trotzdem fast immer ein Stück zu spät dran sind. Außerdem erfährst Du, welche Kühlmethoden sich in der Praxis bewährt haben, worauf Du beim Auflegen von Kühlakkus achten musst und warum die Angst vor Erfrierungen am Huf unbegründet ist. Und Du hörst, welche Möglichkeiten eine Tierklinik hat, wenn es zu Hause einfach nicht klappt.
Passende Folgen
Damit Du Hufrehe früh genug erkennst, um rechtzeitig mit dem Kühlen zu beginnen, lohnen sich diese Folgen:
[Folge 3: Die Phasen der Hufrehe] und die Nachlese zum Begriff „chronisch"
[Folge 5: Frühwarnzeichen Teil 1]
[Folge 6: Frühwarnzeichen Teil 2]
[Folge 7: Rehegang und Rehestellung]
[Folge 8: Erste Hilfe bei Hufrehe]