Du hast den Verdacht auf Hufrehe und wartest auf den Tierarzt? Fünf klare Schritte, damit Du die entscheidenden Stunden richtig nutzt, statt hilflos neben Deinem Pferd zu stehen.
„Eigentlich können wir gar nix machen.... oder?" Diesen Satz höre ich in Ställen und in Foren immer wieder. Du stehst neben Deinem Pferd, hast den Tierarzt gerufen, und fragst Dich: Was mache ich jetzt? Einfach warten?
Die Antwort: Nein. Du kannst ziemlich viel tun, und zwar genau in den Stunden, bis Hilfe da ist. Stell Dir vor, Du stehst beim nächsten Verdacht nicht mehr hilflos da, sondern weißt genau, was jetzt dran ist. Du leitest ruhig die richtigen Schritte ein, während der Tierarzt unterwegs ist. Erste Hilfe bei Hufrehe zu kennen bedeutet, Deinem Pferd die Bedingungen zu geben, die Schäden begrenzen und Schmerzen lindern können. Ein Plan schlägt Panik. Jedes Mal.
In den letzten Folgen ging es darum, wie Du eine Hufrehe erkennst, ob sie sich schleichend ankündigt oder als akuter Schub kommt. Heute geht es um den Moment danach: Du hast den Verdacht, hast den Tierarzt angerufen und wartest. Was Du jetzt tust oder lässt, kann beeinflussen, wie viel Schaden im Huf entsteht und wie komfortabel Dein Pferd die nächsten Stunden übersteht.
Nach dieser Folge kannst Du …
- Das Risiko stoppen: Du weißt, warum der erste Schritt fast immer „runter von der Weide" heißt und welches Futter Dein Pferd jetzt bekommen darf, damit Du nicht vor dem Heulager stehst und rätst, was noch geht und was nicht.
- Den richtigen Untergrund wählen: Du verstehst, was „weich, aber tragend" in der Praxis bedeutet und warum Sand Deinem Pferd sogar zeigt, was es braucht, wenn Du es nur lässt.
- Deinem Pferd die nötige Ruhe geben: Du weißt, weshalb jeder Schritt zu viel die Verbindung zwischen Hufwand und Hufbein weiter belasten kann, und lässt Dich nicht dazu verleiten, „mal eben" anzutraben.
- Drei typische Fehler vermeiden: Schmerzmittel geben, Huf selbst bearbeiten, Pferd auf hartem Boden anbinden. Du weißt, warum alle drei gut gemeint, aber schädlich sind.
- Ein Notfallset zusammenstellen: Du weißt, welche Dinge Du griffbereit haben solltest und wie Du aus einem Material aus dem Baumarkt ein provisorisches Polster zuschneidest, das ein paar Stunden überbrücken kann.
Warum Dein Pferd jetzt stehen und nicht laufen sollte
Wenn Du den Verdacht auf Hufrehe hast, ist der Impuls oft, etwas zu tun: das Pferd bewegen, nachschauen, ausprobieren. Vieles davon ist gut gemeint, hilft Deinem Pferd aber nicht. Der wichtigste Beitrag, den Du bis zum Eintreffen des Tierarztes leisten kannst, ist oft unspektakulär: Ruhe und der richtige Boden unter den Hufen.
Erinnerst Du Dich an den Klettverschluss im Huf? Der Hufbeinträger verbindet Hufwand und Hufbein miteinander. Bei einer Hufrehe wird genau diese Verbindung geschädigt. Jeder Schritt, den Dein Pferd in dieser Phase macht, bringt Belastung in ein Gewebe, das gerade ohnehin nicht mehr richtig hält. Deshalb rate ich klar dazu, Bewegung so weit wie möglich zu vermeiden. Ein paar Schritte zur Tränke lassen sich nicht immer verhindern, aber Zwangsbewegung, Longieren oder Antraben zum „Nachschauen" gehören jetzt nicht dazu. Ich weiß, dass es dazu auch andere Meinungen gibt. Das ist meine Einschätzung aus der Praxis, und sie deckt sich mit dem, was wir über die Vorgänge im Huf wissen.
Weich, aber tragend: Der Untergrund entscheidet mit
Die Faustregel für den Boden lautet: weich, aber tragend. Sand eignet sich hervorragend, am besten leicht feucht. Auch eine dick eingestreute Box ist eine gute Wahl. Sand hat einen besonderen Vorteil: Dein Pferd kann selbst entscheiden, in welchem Winkel es seine Hufe hineinsteckt. Ich habe oft beobachtet, dass Rehepferde die Hufspitze in den Sand graben, um vorne steiler zu stehen. Das Pferd zeigt Dir damit ziemlich genau, was ihm gerade guttut.
Was dagegen gar nicht geht, sind harte Böden wie Beton, Pflaster oder Asphalt. Das betrifft auch Situationen, an die man im ersten Moment nicht denkt: Das Pferd auf der Stallgasse anzubinden, bis der Tierarzt kommt, ist zwar praktisch, stellt es aber genau auf den falschen Untergrund.
Auch Schmerzmittel solltest Du nicht auf eigene Faust geben. Das verfälscht das Bild für den Tierarzt, und ein Pferd mit weniger Schmerzen bewegt sich oft mehr, als ihm guttut. Die Schmerztherapie gehört in die Hände Deines Tierarztes.
Hinweis zum Anhören
In der Folge gehe ich die Sofortmaßnahmen Schritt für Schritt durch, so wie Du sie im Ernstfall brauchst. Ich erzähle Dir auch, was mir ein Forscher vor über 20 Jahren auf einer Tagung zum Thema Bewegung mitgegeben hat. Außerdem stelle ich Dir mein kleines Notfallset für den Stall vor und erkläre, wie Du aus einem Material aus dem Baumarkt ein provisorisches Polster zuschneidest, das ein paar Stunden überbrücken kann. Worauf Du beim Zuschnitt achten musst, damit es nicht mehr schadet als hilft, hörst Du im Audio.
Weiterführende Links / passende Folgen
Wenn Du verstehen möchtest, warum Ruhe so wichtig ist, hör Dir noch einmal Folge 2 über den Hufbeinträger an. Warum Hufrehe schon beim Verdacht ein Notfall ist, erkläre ich in Folge 1. Woran Du einen akuten Schub erkennst, erfährst Du in den Folgen 5 bis 7 über Frühwarnzeichen. Und nächste Woche geht es in Folge 9 ausschließlich um das Kühlen: warum es hilft, wann es besonders viel bringt und welche Techniken sich bewährt haben.