Trockene Hufe! Ein Problem?

 

Im Sommer 2018 herrschte hier am Niederrhein nicht nur Hitze, sondern auch große Trockenheit. Lange…. Sehr lange… Von April bis September fiel kaum ein Tropfen Regen. Nahezu jede Weide war verdorrt.

Pferdeweide Sommer 2018

So hatte ich reichlich Gelegenheit mich mit trockenen Hufen zu beschäftigen. Zwangsläufig gewissermaßen.
Eines möchte ich meinen Beobachtungen aber vorweg schicken: Es ist nicht grundsätzlich problematisch, wenn die Hornkapsel stark austrocknet. Gesundes Horn kann sowohl Trockenheit, als auch Nässe recht gut vertragen. Trocknet es stark aus, wird es hart und weniger elastisch und zieht sich etwas zusammen.
Ist die Hornqualität ohnehin schlecht, neigt der Huf nun noch mehr zu Ausbrechen. Diese Neigung verstärkt sich, wenn der Huf zu lang ist, der Tragerand also deutlich über das Sohlenniveau heraus ragt.
Dies gilt allgemein, also auch bei verhältnismäßig gutem Horn, da die Wand gewissermaßen vom Huf weg gehebelt wird. Dieser Effekt kommt auch bei eher flachen Hufen zum Tragen. Flache Hufwände (auch Seitenwände) neigen meist mehr zum Ausbrechen und zur Rissbildung als steile. ( Deswegen ist bei diesen Hufen eine regelmäßige Hufbearbeitung besonders wichtig ).

In besonderen Fällen kann auch das geringfügige Schrumpfen der Hornkapsel zum Problem werden. Wenn das Innenleben des Hufes besonders empfindlich reagiert können Pferde bei zunehmender Trockenheit der Hufe auch schon mal einen klammen Gang entwickeln. Dies betrifft in aller erster Linie Pferde, die eine Hufrehe durchgemacht haben, oder gerade durch machen. Aber auch Pferde mit Hufknorpelverknöcherung oder Podotrochlose-Syndrom („Hufrolle“) könnten dies zeigen. Bei solchen Patienten verbessert sich der Gang dann oft, wenn man es schafft den Huf besser zu befeuchten.

Wie kann man dies bewerkstelligen? Aus meinen Beobachtungen im Sommer 2018 muß ich leider ein ernüchterndes Résumé ziehen. Bis auf wenige Ausnahmen waren die Hufe der Pferde durch die Bank hart und trocken. Egal, ob die Besitzer die Hufe täglich wässerten (dazu später noch ein paar Worte), regelmäßig nass oder trocken einfetteten, einölten oder sonstwie behandelten. Wenn der Huf 24 Stunden auf knochentrockenem Boden steht kommt man nicht dagegen an.

Einzig diejenigen Pferde, die täglich mehrere Stunden auf einer Wiese oder einem Auslauf standen, die regelmäßig bewässert wurden hatten einigermaßen elastisches Horn, ebenso wie die, die längere Zeit des Tages in einer nicht so ganz trockenen Box verbrachten (was natürlich aus anderen Gründen nicht so günstig ist).

Ich habe den deutlichen Eindruck, dass der Feuchtigkeitsgehalt des Hufes fast ausschließlich von seiner Umgebung bestimmt wird.

Aber wie ich schon sagte, ist Trockenheit für einen gesunden Huf von durchschnittlicher Qualität, der normal gepflegt und regelmäßig bearbeitet wird in der Regel kein Problem. Ein leichtes „ausfransen“ der unteren Millimeter des Tragerandes im Sommer ist in der Regel ebenfalls eher ein optischer Makel, der durch ein paar Raspelstriche behoben werden kann.

Das weit verbreitete Wässern der Hufe, oder tägliches kurzes abduschen der Pferde (wobei ja auch der Huf nass wird) kann übrigens auch „nach hinten los gehen“. Wie Professor Dr. Hans Geyer von der Universität Zürich gezeigt hat kann unter diesen Umständen folgendes passieren: Das trockene Horn quillt durch den Kontakt mit Wasser an der Oberfläche auf. Da der Huf Wasser aber nur sehr langsam aufnimmt, quillt aber nur eine recht dünne, äußere Schicht, die dann verhältnismäßig schnell wieder austrocknet, wobei sie sich wieder zusammen zieht. Die tieferen Hornschichten betrifft dies aber nicht, da die Feuchtigkeit gar nicht bis zu ihnen vorgedrungen ist. Also entstehen Spannungen zwischen den Hornschichten, die nach und nach zu Rissen und Zusammenhangstrennungen führen können. Er hat dies während einer Fortbildungsveranstaltung einmal mit einem Draht verglichen, den man immer wieder hin und her biegt, bis er schließlich bricht. Wenn man einen trockenen Huf also nass macht muss man dies ausführlich tun, damit das Wasser tief genug eindringen kann. Wenn ich mich recht entsinne, sprach Prof Geyer von mindestens 15 min um dem Huf nicht zu schaden.

Die einzigen Tipps, den ich also guten Gewissens geben kann sind:

  1. Ruhe bewahren, trockene Hufe müssen nichts Schlimmes sein (nur für den Hufbearbeiter eine Herausforderung)

  2. Wenn wässern, dann richtig (mindestens 15 min Einwirkzeit)

  3. Am effektivsten ist es das Pferd über längere Zeit oder dauerhaft auf einen mäßig feuchten Untergrund zu stellen. In der Praxis kann dies z.b. ein regelmäßig gesprengter Sandpaddock oder für ein Rehepferd auch einmal eine Box mit feuchtem Sand sein.

  4. Den Huf nicht zu lang werden lassen!

Es tut mir leid, dass ich euch keine einfache, schnelle Lösung anbieten kann, aber so ist das nun mal…

Wenn euer Pferd im Sommer regelmäßig Probleme mit rissigen ausbrechenden Hufen haben sollte, denen auch durch regelmäßige Hufbearbeitung nicht bei zu kommen ist, solltet Ihr vielleicht auch einmal darüber nachdenken das Problem „von Innen“ zu lösen, z.B. durch Nahrungsergänzung.

Vorher aber bitte einmal mit dem Tierarzt eures Vertrauens sprechen und alle Blutwerte ( vor allem auch Leberwerte ) checken lassen.

Leberwerte? Ja, denn Pferde mit schlechten Leberwerten bekommen fast immer schlechte Hufe. Was natürlich nicht bedeutet, daß jedes Pferd mit schlechten Hufen Probleme mit der Leber hat!!

Wenn man die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) auf das Pferd überträgt, stellt man fest, daß der Huf zum Funktionskreis der Leber gehört.

Außerdem können beispielsweise sowohl eine Unter- wie auch eine Überversorgung mit Selen zu schlechter Hornqualität führen.

Aber dies ist ein anderes und außerdem sehr weites Feld…!

Wer dazu Informationen und Tips sucht, ist herzlich eingeladen auf meiner Website unter der Überschrift „Hufwachstum“ ausführlich zu lesen ( http://hippophil.de/hufwachstum/ )

Alles Gute,

Stephan Philos