hufrehe

 

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Ein chronischer Rehehuf…. Lassen Sie es nicht soweit kommen!

 

 
Die Hufrehe ist eine der am meisten diskutierten und am schwierigsten zu verstehenden Erkrankungen des Pferdehufes.
Da geht es schon los: Erkrankung des Pferdehufes trifft es schon nicht.
Es ist eine Erkrankung des Pferdes, die sich auf die Hufe auswirkt und diese unter Umständen irreparabel schädigen kann.
Also letztlich doch eine Erkrankung des Hufes? Ja, aber die Ursachen liegen woanders im Organismus und die Hufe sind letztlich die Leidtragenden.

Vergleichen könnte man dies mit den „Nebenwirkungen“ des menschlichen Diabetes. Man kann durch eine lang andauernde „Zuckerkrankheit“ beispielsweise erblinden oder durch Durchblutungsstörungen etwa einen Fuß oder ein Bein verlieren. Dennoch würde keiner die Diabetes etwa als Augenerkrankung bezeichnen…

Dies ist natürlich nur ein wie üblich hinkender Vergleich. Diese „Kollateralschäden“ des Diabetes entstehen meines Wissens im Laufe der Zeit, nach und nach…

Die Hufrehe erscheint meist als hochakute Erkrankung, bei der das betroffene Pferd recht plötzlich lahm geht oder manchmal zum Laufen praktisch garnicht mehr bereit bzw in der Lage ist.

Das Augenmerk des beobachtenden Menschen wird also erst einmal auf die hochgradig schmerzhaft erkrankten Hufe gelenkt.

 

Warum bekommt ein Pferd überhaupt Hufrehe?

 

Der Verdauungstrakt des Pferdes ist in verschiedene Zonen gegliedert.

So werden leicht verdauliche Kohlehydrate vorwiegend im Dünndarm verarbeitet, während schwer verdauliche Faserstoffe im Blinddarm vergoren und verwertet.
Normalerweise besteht die natürliche Nahrung aus wenig leicht verdaulichen Kohlehydraten und vielen Faserstoffen.

Geraten nun aber so große Mengen an leicht verdaulichen Kohlehydraten in den Verdauungstrakt des Pferdes, daß sie vom Dünndarm nicht mehr aufgenommen werden können, gelangen diese Zucker in die Gärkammer des Blinddarmes. Die dort heimischen Cellulose zersetzenden Bakterien können mit dieser Nahrung nichts anfangen. Wohl aber andere Bakterien, wie insbesondere Milchsäurebakterien, die sich nun massenhaft vermehren können. Bei dieser Fehlgärung wird nun viel Milchsäure produziert. Wird der Inhalt des Blinddarmes zu sauer, sterben die Cellulose Zersetzer ab und die Darmschleimhaut wird geschädigt. Aus den abgestorbenen Bakterien werden Stoffe frei, die normalerweise in ihnen eingeschlossen bleiben und die durch die geschädigte Darmschleimhaut ins Blut gelangen. Einige dieser Stoffe (Toxine) sind es, die im Huf die Vorgänge der Hufrehe in Gang setzen. So wird aus einer Verdauungsstörung eine Hufkrankheit.

 

Nennenswerte Mengen an leicht verdaulichen Kohlehydraten enthalten beispielsweise Getreide , ( Hafer, Gerste, Mais…), Kraftfutter, Müsli, Melasse. Etwas weniger beispielsweise Möhren oder Äpfel, die aber auch Probleme machen können, wenn sie in sehr großen Mengen aufgenommen werden (Fallobst !).

 

Alle kohlehydratreichen Futtermittel können die oben beschriebenen Probleme auslösen, wenn sie in entsprechenden Mengen konsumiert werden. Absolute Mengenangaben kann man aber nicht machen. Die vom jeweiligen Pferd vertragenen Mengen hängen zum Beispiel von der Rasse ab. Ponys sind empfindlicher als Warmblüter, Haflinger empfindlicher als andere Kaltblutrassen.

Pferde die viel arbeiten müssen und entsprechend große Rationen bekommen vertragen mehr als Tiere, die nicht viel Kraftfutter bekommen, weil sie nicht so viel leisten müssen. Überhaupt sollte man Vergrößerungen der Futterrationen langsam vornehmen, beispielsweise eine Woche lang jeden Tag ein wenig mehr. Dies kennen wir ja vor allem im Frühjahr beim Anweiden, womit die Tiere an das frische Gras gewöhnt werden sollen. Aber auch beim Kraftfutter sollte man daran denken.

Überhaupt die Weide: Das Weidegras enthält verschieden Kohlehydrate in unterschiedlichen Konzentrationen. Bekannt geworden ist vor allem das Fruktan. Man geht heute davon aus, daß viele Hufrehefälle auf sein Konto gehen.

Fruktan kann im Dünndarm des Pferdes nicht, oder nur sehr schlecht aufgenommen werden, kommt also auf jeden Fall im Blinddarm an. Deswegen reichen viel geringere Mengen um die Fehlgärung auszulösen, die das Rehegeschehen dann in Gang bringt.

Darüber hinaus kann die Empfindlichkeit durch Stoffwechselerkrankungen wie das equine Cushing Syndrom (“Cushing”) und das equine metabolische Syndrom (“EMS”) stark erhöht werden.

Was “EMS” betrifft kann man stark vereinfacht sagen, dass fettleibige Pferde viel leichter eine Hufrehe bekommen als ein normalgewichtiges oder sportlich gebautes Pferd.

 

 

Woran kann man erkennen, dass ein Pferd an Hufrehe erkrankt ist?

 

Bedenken sie, daß alle Symptome je nach Schwere des Reheschubes mehr oder weniger ausgeprägt sein können.

 

Oft ist das Tier lethargisch, man merkt ihm an, daß es sich nicht wohlfühlt.

Je nach Schwere des Falles können auch der Herzschlag und die Atmung durch den Streß beschleunigt sein.

Es bewegt sich nur widerwillig, lässt sich ziehen oder will überhaupt nicht mehr laufen.

Wenn es sich dann bewegt, kann es fühlig laufen, wie „auf rohen Eiern“.

Es macht womöglich deutlich kleinere Schritte. Viele Besitzer haben den Gang so beschrieben, „als wenn das Pferd Muskelkater hätte“.

Meist setzt es den Huf nicht plan auf, sondern versucht vor allem die hintere Hufhälfte zu belasten. Es zeigt eine deutliche Trachtenfußung.

Da die Beeinträchtigung meist beide Vorderhufe betrifft, geht das Tier nicht unbedingt lahm. Wir nehmen die Lahmheit zumindest nicht als solche wahr, da sie meist beide Hufe gleichermaßen betrifft. Es humpelt also meist nicht sichtbar, sondern zeigt den oben beschriebenen „klammen Gang“.

Manchmal ist aber auch ein Huf stärker betroffen; dann kann das Pferd eine deutliche Lahmheit zeigen, weil es versucht den stärker schmerzenden Huf stärker zu entlasten. Bei Tieren mit einem normalen oder flachen und einem steilen oder Bockhuf ist dies häufiger der Fall. In der Regel ist der steile Huf dann derjenige auf dem es lahm geht.

 

Enge Wendungen machen meist Probleme. Es ist ein deutlicher Wendeschmerz zu sehen. Je enger die Wendung, desto unangenehmer und deutlicher.

 

Die bisher beschriebenen Symptome sind in der Regel stärker auf hartem, als auf weichem Boden zu beobachten.

 

Im Stand kann es sein, daß die Vorderfüße weit vorgeschoben werden und die Hinterbeine möglichst weit unter den Körper gestellt werden, damit die schmerzhaften Vorderhufe möglichst wenig Gewicht tragen müssen. Diese Stellung wird in der Literatur als „Sägebockstellung“ beschrieben.

Es kann aber auch sein, daß das Pferd relativ normal steht und sich die Probleme erst in der Bewegung zeigen.

Manche Pferd fangen an vor und zurück zu schaukeln und scheinen nicht zu wissen, wie sie Ihr Gewicht verteilen sollen.

 

Bei einem akuten Schub werden sie äußerlich an den Hufen oder Beinen keine Veränderungen feststellen.

Typischerweise fühlen die Hufe sich aber warm, sehr warm oder heiß an im Vergleich zu den Hinterhufen, sofern diese nicht auch betroffen sind. Dies ist aber nicht immer deutlich ausgeprägt.

Ebenso typisch ist eine mehr oder weniger stark, bis pochend zu spürende Pulsation der Mittelfußarterie.

Wenn sie nicht wissen, wie man diese korrekt tastet und die Pulsation fühlt, umfassen sie mit ihrer Hand fest von hinten den Fesselkopf. Eine pochende Pulsation werden sie in der Handfläche oder den Fingern spüren.

 

 

Was sollten Sie tun, wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Pferd an Hufrehe erkrankt ist?

 

Die wohl wichtigste Sofortmassnahme ist:
Greifen Sie zum Telephon und rufen Sie Ihren Tierarzt an.

Hufrehe ist ein Notfall! Wenn Sie nicht innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Ausbruch behandelt wird können Veränderungen im Huf erfolgen, die nicht wieder rückgängig zu machen sind!

 

Dieser Rubrik füge ich immer wieder einmal neue Informationen zu.
Schauen Sie immer wieder einmal herein!

 

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